Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Der Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und Substanzkonsum von Jugendlichen in stationärer Jugendhilfe – Ein Vergleich zwischen weiblichen und männlichen Teilnehmenden des CANJuStop Programms

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Sabrina Kunze (DZSKJ/UKE), Krüger Leandra, Johanna (DZSKJ/UKE), Harbs Julian (DZSKJ/UKE), Schulz Anna-Lena (DZSKJ/UKE), Paschke Kerstin (DZSKJ/UKE), Thomasius Rainer (DZSKJ/UKE), Arnaud Nicolas (DZSKJ/UKE), Baldus Christiane (DZSKJ/UKE)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Jugendliche, die in stationären Jugendhilfeeinrichtungen leben, haben öfter eine psychische Erkrankung. Ziel der Arbeit ist zu untersuchen, ob es Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen, die in stationärer Jugendhilfe leben in psychischer Belastung und Substanzkonsum, gibt. Es wurden Jugendliche aus stationären Jugendhilfeeinrichtungen untersucht, die an dem Gruppentraining CANJuStop teilnehmen. Wir fanden heraus, dass mehr Mädchen angaben eine psychische Erkrankung zu haben und mehr Mädchen als Jungen mitteilten, schon einmal in ihrem Leben Alkohol, Cannabis, Tabak, Kokain, Amphetamine genutzt zu haben. Die Ergebnisse zeigen, dass Mädchen in stationärer Jugendhilfe anders mit psychischer Belastung umgehen und es dafür spezielle Angebote und Hilfe für sie geben sollte.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Kinder und Jugendliche in Fremdunterbringung wie in stationären Einrichtungen haben häufiger eine schlechtere psychische Gesundheit und tragen ein höheres Risiko eine psychische Störung zu entwickeln als Gleichaltrige in der Allgemeinbevölkerung [1-3]. Eine in Jugendheimen durchgeführte Erhebung ergab einen deutlich erhöhten Cannabiskonsum dieser Jugendlichen verglichen mit denen, die in Herkunftsfamilien lebten [4]. Um diesem Problem zu begegnen, wurde das Gruppentraining CAN Stop für junge Cannabiskonsument:innen an das Setting adaptiert (CANJuStop) und implementiert. Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, ob geschlechtsspezifische Unterschiede im Zusammenhang der psychischen Belastung und beim Substanzkonsum bei den in stationärer Jugendhilfe lebenden Jugendlichen vorliegen.

Methoden
Basierend auf der Stichprobe des CANJuStop-Projektes wurden Jugendliche in stationärer Jugendhilfe im Selbstbericht zu soziodemografischen Daten, zu psychischen Symptomen (SDQ) und zu psychischen Erkrankungen (BELLA) sowie zu ihrem Substanzkonsum (u.a. AUDIT-C, CAST) digital befragt. Anhand dieser Daten erfolgt eine deskriptive und inferenzstatistische Auswertung mithilfe von geschlechterstratifizierten Zusammenhangsanalysen durch Korrelations- und Regressionsanalysen.

Ergebnisse
Die bereinigte nicht-repräsentative Teilnehmendenstichprobe umfasst 116 Jugendliche, davon 39 % weiblich (N = 45) und 61 % männlich (N = 71), aus unterschiedlichen Einrichtungen der stationären Jugendhilfe in mehreren Bundesländern. 27% der männlichen (N = 19) und 67 % der weiblichen Jugendlichen (N = 30) berichteten von einer bei ihnen diagnostizierten psychischen Erkrankung. Der SDQ-Gesamtwert lag bei den weiblichen Jugendlichen mit einem Mittelwert von 17.2 (SD = 5.4) signifikant über dem der männlichen Jugendlichen (12.8 (SD = 5.0)).



Die Lebenszeitprävalenz verschiedener Substanzmittel (u.a. Cannabis, Alkohol, Tabak, Kokain, Amphetamine) war bei den Mädchen höher. Außerdem zeigte sich, das weibliche Jugendliche zeitlich eher und häufiger riskant Cannabis konsumierten (w = 18 (82 %), m = 16 (62 %)).

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse sollen darauf hinweisen, dass Mädchen in stationärer Jugendhilfeunterbringung andere Konstellationen von psychischer Belastung und Substanzkonsum haben können als Jungen. Geschlechtsspezifische Angebote und Interventionen sind in der Versorgung dieser vulnerablen Gruppe zu bedenken.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten. Christiane Baldus erhält im geringen Rahmen Autorinnenvergütungen aus dem Verkauf des CAN Stop-Manuals, das die Basis für CANJuStop bot.







Erklärung zur Finanzierung: Drittmittel



Projekt: „CAN Stop Gruppentraining gegen problematischen Cannabiskonsum in der Jugendhilfe“ (CANJuStop).



Mittelgeber: Bundesministerium für Gesundheit (BMG)



Förderkennzeichen: ZMII2-2523DSM204

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Kunze, S., Leandra, Johanna, K., Julian, H., Anna-Lena, S., Kerstin, P., Rainer, T., … Christiane, B. (2026). Der Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und Substanzkonsum von Jugendlichen in stationärer Jugendhilfe – Ein Vergleich zwischen weiblichen und männlichen Teilnehmenden des CANJuStop Programms. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2925