Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Wissenschaftliche Evaluation des partnerschaftlichen Rückfallpräventionsprogrammes Rückhalt
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Der Einbezug von Bezugspersonen in die Behandlung von Suchterkrankungen wird von immer größerem Interesse, da die Erkrankungen häufig nicht nur die erkrankten Personen betreffen, sondern auch ihr nahes Umfeld. In dieser Studie wollten wir die Wirksamkeit eines neu entwickelten partnerschaftlichen Rückfallpräventionsprogrammes „Rückhalt“ im Bereich alkoholbedingter Störungen untersuchen, um es für den Einsatz in der Klinik attraktiver zu machen. Dafür führten wir das Programm mit mehreren PatientInnen und deren PartnerInnen während einer stationären, qualifizierten Alkoholentzugsbehandlung durch. Es wurde von den Versuchspersonen durchweg gut angenommen. Wir fanden heraus, dass das Programm einen positiven Einfluss auf die Länge der Abstinenz nach der Behandlung hat. Dieses Ergebnis könnte dabei helfen das Angebot von Entzugskliniken hinsichtlich der Einbeziehung von PartnerInnen zu erweitern.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Mit dem partnerschaftlichen Rückfallpräventionsprogramm „Rückhalt“ wurde im Bereich alkoholbedingter Störungen erstmalig im deutschsprachigen Raum eine Intervention geschaffen, an der die Partner und betroffene Personen mit alkoholbedingter Störung gemeinsam teilnehmen. „Rückhalt“ umfasst vier Sitzungen, die das Paar, angeleitet durch einen/eine BehandlerIn, absolviert. In der vorliegenden Arbeit geht es um die Evaluation dieses Programmes im Rahmen einer stationären, qualifizierten Alkoholentzugsbehandlung.
Methoden
Es wurden mit einem randomisiert-kontrolliertem Design 47 PatientInnen mit PartnerInnen jeweils einer Experimental- und einer Kontrollgruppe zugeteilt. Die Teilnehmenden der Experimentalgruppe erhielten die „Rückhalt“- Intervention als Erweiterung einer qualifizierten stationären Entzugsbehandlung. Die Teilnehmenden der Kontrollgruppe erhielten auf Wunsch ein Angehörigengespräch während der stationären Behandlung. Zu drei Messzeitpunkten (Präbefragung, Postbefragung, katamnestische Befragung) wurde die Abstinenzzuversicht, die Partnerschaftszufriedenheit und in der katamnestischen Befragung nach 6 Wochen auch ein mögliches Rückfallgeschehen abgefragt.
Ergebnisse
Untersucht wurde der Einfluss der partnerschaftlichen Rückfallpräventionsprogrammes auf die Abstinenzzuversicht, die Rückfallhäufigkeit, die Dauer bis zu einem Rückfall, die Dauer eines Rückfalles und die Partnerschaftszufriedenheit. Die Daten wurden mit Hilfe von multifaktoriellen ANOVAS, t-Tests für unabhängige Stichproben und einem Chi-Quadrat-Test untersucht. Dabei ergaben sich größtenteils keine signifikanten Zusammenhänge. Die PatientInnen, die das partnerschaftliche Rückfallpräventionsprogramm „Rückhalt“ absolvierten, blieben jedoch signifikant länger abstinent als die PatientInnen aus der Kontrollgruppe, t(11) = 2.47, p = .013, d = 1.41. Das Programm wurde von den TeilnehmerInnen gut angenommen und die Module mit Schulnoten zwischen 1,07 und 1,67 bewertet. Abgebrochen wurde die Teilnahme in 8 Fällen auf Grund eines andauernden Rückfalles oder einer Trennung des Paares, jedoch nicht auf Grund von Nichtgefallen.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse sprechen für eine positive Auswirkung des partnerschaftlichen Rückfallpräventionsprogrammes Rückhalt. Diskutiert wird eine Wiederholung der Evaluation mit einer größeren und homogeneren Stichprobe (z.B. hinsichtlich der Schwere der Erkrankung), in der Hoffnung von eindeutigeren Ergebnissen und einer damit einhergehenden Attraktivitätssteigerung der Erweiterung von substanzbezogenen Behandlungen, um den Einbezug von PartnerInnen oder anderen Angehörigen.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.