Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Versorgungspassung in der Rehabilitation bei chronischen Schmerzen und opioidassoziierten Störungen: Eine kombinierte Routinedaten- und ICF-basierte Dokumentenanalyse

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Maike Kothe (Deutsche Rentenversicherugn Oldenburg-Bremen), Natalie Schüz (Deutsche Rentenversicherugn Oldenburg-Bremen), Elena Brushinski (Leibniz-Institut für Präventionsforschung u. Epidemiologie - BIPS), Anna Levke Brütt (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf,)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Die Rehabilitation von Menschen mit chronischen Schmerzen und einem problematischen Opioidgebrauch ist ein wichtiges Thema, da viele Betroffene physisch und psychisch belastet sind und ihre Teilhabe am beruflichen, privaten und sozialen Leben eingeschränkt ist.


In dieser Studie wollen wir herausfinden, wie gut Reha-Leistungen zu diesen komplexen Bedürfnissen passen.


Dafür analysieren wir Reha-Entlassungsberichte und dokumentierte Therapieleistungen. Anschließend vergleichen wir die Behandlungen mit den Einschränkungen der Patient:innen.


Bisher fanden wir heraus, dass sich die Art und der Umfang der Behandlungen zwischen den Patient:innen und den untersuchten Reha-Fachbereichen deutlich unterscheiden.


Diese Ergebnisse können helfen, die Rehabilitation gezielter an die Bedürfnisse der Betroffenen anzupassen.


 


 

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Chronische nicht-tumorbedingte Schmerzen (CNTS) gehen häufig mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität und Teilhabe einher. Die Verordnung von Opioidmedikamenten erhöht das Risiko opioidassoziierter Störungen [1]. Treffen beide Problemlagen zusammen, entstehen komplexe Versorgungsbedarfe an der Schnittstelle von Somatik, Psyche und Abhängigkeit. Unklar ist bislang, inwieweit die rehabilitative Versorgung diesen Anforderungen gerecht wird, insbesondere hinsichtlich der Passung zwischen dokumentierten Reha-Leistungen und funktionalen sowie teilhabebezogenen Beeinträchtigungen. Die Auswertung von Routinedaten zu therapeutischen Leistungen (Klassifikation therapeutischer Leistungen, KTL) in Verbindung mit der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) ermöglicht eine differenzierte Analyse von Versorgungsrealität und -bedarf.

Methoden
Es erfolgt eine retrospektive Sekundärdatenanalyse von Reha-Entlassungsberichten der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen. Die dokumentierten Reha-Leistungen werden mithilfe der KTL, einem standardisierten System zur Erfassung therapeutischer Leistungen, verschiedenen Leistungsbereichen zugeordnet und pro Fall hinsichtlich von Umfang und Zusammensetzung ausgewertet. Anschließend erfolgt eine vergleichende Analyse der Leistungsprofile auf Fallebene unter Berücksichtigung unterschiedlicher Reha-Fachrichtungen. Für eine selektive Teilstichprobe wird eine vertiefende ICF-basierte Analyse (ICF-Linking nach Cieza et al. [2]) durchgeführt. Grundlage bilden ICF Core Sets für Schmerz [3,4] sowie das modulare Core Set Sucht [5].

Ergebnisse
In die Analyse wurden KTL-Daten von 92 Rehabilitand:innen einbezogen. Insgesamt konnten 2.567 dokumentierte KTL-Leistungen identifiziert werden, die sich über 11 KTL-Kategorien verteilen. Die Anzahl der Leistungen pro Fall variiert stark (10–39 Leistungen pro Fall), was auf eine große Variabilität im Umfang und in der Zusammensetzung der dokumentierten Leistungen hinweist. Für eine Teilstichprobe erfolgt eine vertiefende ICF-basierte Analyse zur Untersuchung von Versorgungsmustern, fachrichtungsbezogenen Zusammenhängen sowie der Übereinstimmung von Bedarf und Leistung.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Studie adressiert die bislang wenig untersuchte rehabilitative Versorgung bei CNTS und Opioidproblematik. Die Kombination aus KTL- und ICF-Analyse kann Ansatzpunkte für eine bedarfsgerechtere Versorgung aufzeigen. Limitationen ergeben sich aus der Nutzung von Routinedaten sowie der begrenzten Stichprobe.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Die Autor:innen erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Kothe, M., Schüz, N., Brushinski, E., & Brütt, A. L. (2026). Versorgungspassung in der Rehabilitation bei chronischen Schmerzen und opioidassoziierten Störungen: Eine kombinierte Routinedaten- und ICF-basierte Dokumentenanalyse . Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2920