Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

10 Jahre KDS 3.0: Entwicklungen in der ambulanten und stationären Suchthilfe

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Hanna Dauber (München), Carlotta Riemerschmid (IFT Institut für Therapieforschung), Eva Hoch (IFT Institut für Therapieforschung / Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Ludwig-Maximilians-Universität / Charlotte Fresenius Hochschule), Larissa Schwarzkopf (IFT Institut für Therapieforschung / Institut für Medizinische Informationsverarbeitung Biometrie und Epidemiologie (IBE), Ludwig-Maximilians-Universität, München / Pettenkofer School of Public Health, München / Fakultät für Angewandte Gesundheitswissenschaften, Technische Hochschule Deggendorf)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Mit dem Deutschen Kerndatensatz (KDS) werden bundesweit einheitliche Daten in der Suchthilfe dokumentiert. Vor dem Hintergrund der aktuellen Überarbeitung wurde untersucht, wie sich die ambulante und stationäre Suchthilfe während der Laufzeit des KDS 3.0 verändert hat. Dafür wurden aggregierte Daten aus ambulanten und stationären Einrichtungen der Jahre 2017 bis 2025 ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen stabile Versorgungsstrukturen sowie eine durchgehend hohe Versorgungs- und Ergebnisqualität. Gleichzeitig verändern sich die Gründe für die Hilfenutzung und die Hilfesuchenden sind insgesamt sozial besser integriert. Die Ergebnisse können dazu beitragen, Hilfsangebote gezielt weiterzuentwickeln und die Inanspruchnahme von Suchthilfe weiter zu verbessern.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Dieser Beitrag untersucht anhand der Daten der Deutschen Suchthilfestatistik (DSHS) welche Veränderungen sich in der ambulanten und stationären Suchthilfe hinsichtlich Klientel, Hauptdiagnosen und Versorgungmerkmalen seit Inkrafttreten des KDS 3.0 im Jahr 2017 ergeben haben.

Methoden
Aggregierte Daten aller ambulanten und stationären Suchthilfeeinrichtungen, die sich zwischen 2017 und 2025 an der DSHS beteiligten, wurden deskriptiv ausgewertet. Die Analysen adressieren Entwicklungen im Betreuungsvolumen sowie in Bezug auf zentrale soziodemographische, klinische und versorgungsbezogene Merkmale der hilfesuchenden Population, wobei prozentuale Unterschiede zwischen erstem und letztem Beobachtungsjahr berichtet werden.

Ergebnisse
Im untersuchten Zeitraum zeigt sich in ambulanten Einrichtungen ein stabiles und in stationären Einrichtungen ein steigendes Betreuungsvolumen. Die Vermittlungswege sind in beiden Settings stabil, jedoch kommen weniger ambulante Fälle mit gerichtlichen Auflagen (-12%). Der Anteil Wiederbehandelter ist stationär gestiegen (+35%), während ambulant weniger Wiederbetreute zu verzeichnen sind (-7%). Alkoholbezogene Störungen sind weiterhin der häufigste Anlass für die Inanspruchnahme von Suchthilfe, gleichzeitig nehmen kokainbezogene Störungen (ambulant: +66%, stationär: +120%) sowie Störungen durch multiplen Substanzgebrauch oder andere psychotrope Substanzen (ambulant: +222%, stationär: +80%) deutlich zu. Rückläufig sind Pathologisches Spielen (ambulant: -42%, stationär: -63%) und ambulant zudem opioid- (-35%) und cannabinoidbezogene Störungen (-14%). Ambulant ist das Durchschnittsalter (+1,5 Jahre) sowie der Frauenanteil (+4%) unter den Betreuten leicht gestiegen. Zudem zeigt sich ambulant (+44%) wie stationär (+29%) ein zunehmendes Bildungsniveau und vermehrte Erwerbstätigkeit (ambulant: +16%, stationär: +14%). Die Fälle enden bei stabiler Betreuungs- und Behandlungsdauer mit einer konstant positiven Entwicklung der Suchtproblematik (ambulant: 97%, stationär: 85%) und ambulant vermehrt planmäßig (+6%).

Diskussion und Schlussfolgerung
In ambulanten wie stationären Suchthilfeeinrichtungen hat sich das Diagnosespektrum verschoben und die hilfesuchende Population scheint besser sozial integriert zu sein. Die stabil hohe Ergebnisqualität deutet darauf hin, dass die Einrichtungen den sich wandelnden Bedarfen gerecht werden. Die Ergebnisse können dazu beitragen, Hilfsangebote gezielt weiterzuentwickeln und die Inanspruchnahme von Suchthilfe weiter zu verbessern.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.



Das zugrundeliegende Projekt „Deutsche Suchthilfehilfestatistik“ wird vollständig durch das Bundesministerium für Gesundheit finanziell gefördert.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Dauber, H., Riemerschmid, C., Hoch, E., & Schwarzkopf, L. (2026). 10 Jahre KDS 3.0: Entwicklungen in der ambulanten und stationären Suchthilfe. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2918