Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

VR-CRAVE: Experimentelle Induktion und Modulation cannabisbezogenen Cravings in virtueller Realität

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Mathias Luderer (Uniklinik der Goethe-Universität Frankfurt), Lilly Peters (Uniklinik der Goethe-Universität Frankfurt), Andreas Reif (Uniklinik der Goethe-Universität Frankfurt)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache







Viele Menschen, die zu viel Cannabis konsumieren, haben ein starkes Verlangen danach. Das nennt man Craving. Dieses Verlangen macht das Aufhören sehr schwer.


Forscher in Frankfurt testen nun mit einer Virtual-Reality-Brille (VR-Brille), wie man dieses Verlangen gezielt auslösen und verändern kann. Die Versuchspersonen setzen die Brille auf. Die Forscher messen dann, wie der Körper darauf reagiert, zum Beispiel beim Herzschlag.


Das Ziel ist es zu verstehen, wie sich dieses Verlangen stoppen lässt. Das soll in Zukunft helfen, neue Therapien gegen die Cannabis-Sucht zu entwickeln.







Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Craving gilt als zentraler Mechanismus in der Aufrechterhaltung und im Rückfallgeschehen von Cannabiskonsumstörungen [1]. Für die Cannabiskonsumstörung steht bislang keine zugelassene spezifische Behandlung zur Verfügung. Zur Identifikation potenzieller Ansatzpunkte sind experimentelle Paradigmen notwendig, die Craving reliabel induzieren und gegenüber modulatorischen Einflüssen sensitiv sind. VR-basierte Reizexpositionen ermöglichen eine hoch standardisierte, ökologisch valide Cravinginduktion [2, 3]. Die kombinierte subjektive und autonom-physiologische Messung erlaubt eine multimodale Erfassung der Reiz-Reaktivität.

Methoden
In einem randomisierten, ausbalancierten Within-Subject-Design wird cannabisbezogenes Craving während einer standardisierten VR-Reizexposition zu zwei Messzeitpunkten erfasst – jeweils unter nativen Bedingungen sowie nach einer Modulation. Erhoben werden subjektive Craving-Ratings sowie autonom-physiologische Korrelate der Reiz-Reaktivität (Elektrodermale Aktivität, Herzfrequenz/HRV, periphere Hauttemperatur). Proband:innen werden anhand eines Fragebogens (CUDIT-R) zwei Gruppen mit unterschiedlichem cannabisbezogenem Risikoprofil zugeordnet. Explorativ wird zusätzlich eine computerbasierte Reinforcement-Learning-Aufgabe (Verhaltensparadigma) erhoben.

Ergebnisse
Rekrutierung und Datenerhebung laufen. Auf dem Poster werden das methodische Vorgehen, der Studienstand sowie erste deskriptive Auswertungen zur VR-induzierten Cravingreaktion und deren Modulation vorgestellt.

Diskussion und Schlussfolgerung
VR-CRAVE etabliert ein experimentelles Framework zur kontrollierten Induktion und Modulation cannabisbezogenen Cravings. Die Ergebnisse sollen Hinweise darauf liefern, ob und in welchem Ausmaß Craving-assoziierte Reaktionsmuster gezielt modulierbar sind, und damit Ansatzpunkte für die Entwicklung zukünftiger Therapieoptionen bei Cannabiskonsumstörungen eröffnen.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Luderer, M., Peters, L., & Reif, A. (2026). VR-CRAVE: Experimentelle Induktion und Modulation cannabisbezogenen Cravings in virtueller Realität. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2914