Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Studieren im Schatten des Krieges: Eine längsschnittliche Analyse zu (komplexer) PTBS, Substanzkonsum und akademischer Motivation bei ukrainischen Studierenden
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Krieg und die damit verbundenen Erfahrungen können dazu führen, dass Menschen mehr Substanzen konsumieren und weniger motiviert sind zu lernen. In dieser Studie wollten wir herausfinden, ob ukrainische Studierende unter Kriegsbedingungen mehr Substanzen konsumieren und ob der Krieg mit psychischen Traumafolgen und sinkender Studienmotivation zusammenhängt. Dafür befragten wir über 300 ukrainische Studierende dreimal über eineinhalb Jahre. Wir fanden heraus, dass Substanzkonsum eher ein Zeichen besonders belasteter Studierender ist als ein zentraler Treiber psychischer Symptome. Diese Ergebnisse können helfen, Risikogruppen unter kriegsbetroffenen Studierenden früher zu erkennen und gezielt zu unterstützen.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Der anhaltende russische Angriffskrieg gegen die Ukraine ist mit erheblichen kriegsbedingten Stressoren und potenziellen Traumata verbunden, die mit traumabezogenen Symptomen und Substanzkonsum einhergehen können. Studierende sind zusätzlich von veränderten Lernbedingungen betroffen, die sich auf die intrinsische Lernmotivation auswirken können. Unklar ist bislang, wie kriegsbezogene Traumaexposition, PTBS- und DSO-Symptome, Substanzkonsum und intrinsische Motivation zusammenhängen. Ziel war es, diese längsschnittlichen Zusammenhänge zu untersuchen.
Methoden
Analysiert wurden Paneldaten von N = 311 ukrainischen Studierenden (85,8 % weiblich; M = 25,5 Jahre), erhoben zu drei Messzeitpunkten über etwa anderthalb Jahre (Dez. 2022–Jun. 2024). Traumaexposition wurde mit dem Harvard Trauma Questionnaire (HTQ), PTBS- und DSO-Symptome mit dem International Trauma Questionnaire (ITQ) erfasst. Substanzkonsum wurde über Selbstauskünfte zur Konsumhäufigkeit von Alkohol, THC, Sedativa und Schmerzmitteln erhoben (0 = nie bis 4 = ?4-mal pro Woche). Intrinsische Motivation wurde mit der Short Academic Motivation Scale (SAMS) gemessen. Eingesetzt wurden latente Wachstumskurvenmodelle (LGM), lineare gemischte Modelle (LMM) sowie Gaussian Graphical Models (GGM) mit Network Comparison Tests.
Ergebnisse
Eine höhere Traumaexposition war mit PTBS-Symptomen assoziiert (p = .001, ? = .23), nicht jedoch mit DSO-Symptomen oder Veränderungen der Symptome über die Zeit. Im Personenvergleich zeigte sich, dass Personen mit häufigerem durchschnittlichen Substanzkonsum stärkere DSO-Symptome aufwiesen (p < .001). Innerhalb von Personen ging häufigerer Substanzkonsum nicht mit Veränderungen von PTBS- oder DSO-Symptomen einher. Im Symptomnetzwerk wies Substanzkonsum zu keinem Messzeitpunkt eine erhöhte Zentralität auf. DSO-Symptome waren negativ (p = .035), PTBS-Symptome positiv (p = .039) mit intrinsischer Motivation assoziiert.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die Befunde deuten darauf hin, dass Traumaexposition primär mit dem Ausgangsniveau der PTBS-Symptomatik verbunden ist. Substanzkonsum zeigte kaum Zusammenhänge zur Häufigkeit von Substanzkonsum bei Studierenden und erscheint daher eher als Marker belasteter Subgruppen denn als zentraler Mechanismus für PTBS-Symptome. Insgesamt unterstreicht die Studie die Relevanz von PTBS- und insbesondere DSO-Symptomen für die intrinsische Studienmotivation unter Kriegsbedingungen.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung