Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Risiko- und Resilienzfaktoren von Ex- und Nie-Usern im Kontrast zu aktuell Konsumierenden in der stationären Jugendhilfe

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Christiane Baldus-Firnhaber (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), Harbs Julian (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), Sabrina Kunze (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), Nicolas Arnaud (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), Anna-Lena Schulz (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), Kerstin Paschke (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Cannabiskonsum in der stationären Jugendhilfe ist ein wichtiges Problem, da er riskant ist, aber dort besonders häufig auftritt. In dieser Studie wollten wir herausfinden, wie sich Jugendliche, die Cannabis schon konsumiert hatten aber davon losgekommen sind, von Jugendlichen mit laufendem Cannabiskonsum unterscheiden. Dafür untersuchten wir 118 junge Menschen, die z. B. in Wohngruppen lebten. Wir fanden heraus, dass ehemalige Konsumierende häufiger Freunde oder Freundinnen hatten, die auch nicht Cannabis konsumieren. Dies unterstreicht die Bedeutung des Freundeskreises beim Cannabiskonsum.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Kinder und Jugendliche, die außerhalb ihrer Ursprungsfamilie aufwachsen, sind häufig in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe untergebracht. Vorbefunde haben ergeben, dass sie ein deutlich erhöhtes Risiko dafür tragen, Cannabis zu konsumieren. Unklar ist, wie Nutzungsmuster von Cannabis unter Kindern und Jugendlichen in der stationären Jugendhilfe verteilt sind und welche Risiko- und Resilienzfaktoren mit Nutzungsmustern verknüpft sind.

Methoden
Im Rahmen des Projektes „CAN Ju Stop – CAN Stop Gruppentraining gegen problematischen Cannabiskonsum in der Jugendhilfe“ wurde ein präventives Gruppentraining gegen Cannabiskonsum erprobt, das sich an alle unterbrachten Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren richtete. Für die Begleitevaluation wurden N = 119 Personen in einer Gelegenheitsstichprobe befragt. In einer explorativen Sekundäranalyse der Baseline-Daten wurde ermittelt, wie groß der Anteil der Nie-Konsumierenden (Nie-User), ehemals Konsumierenden (Ex-User) und aktuell Konsumierenden von Cannabis ist. Weiterhin wurden die Gruppen in Hinblick auf Risiko- und Resilienzfaktoren verglichen.

Ergebnisse
Von den Teilnehmenden hatten 54 Cannabis nie konsumiert oder wussten nicht, was Cannabis ist (Nie-User), und 64 mindestens einmal Cannabis konsumiert. Von letzteren hatten n = 15 Personen Cannabis in den vergangenen 12 Monaten nicht konsumiert (Ex-User), 49 waren aktuelle Cannabis-User. Ergebnisse aus Gruppenvergleichen und Gruppenzugehörigkeitsvorsagen mit multinomialen logistischen Regressionen zeigen die Bedeutung von Alter, Migrationsstatus, cannabisbezogenen Wirkerwartungen, dem Vorliegen psychischer Störungen sowie dem cannabiskonsumierenden Freund:innenkreis.

Diskussion und Schlussfolgerung
Cannabiskonsum in der stationären Jugendhilfe ist ein wichtiges Problem, da er riskant ist, aber dort besonders häufig auftritt. In dieser Studie wollten wir herausfinden, wie sich Jugendliche, die Cannabis schon konsumiert hatten aber davon losgekommen sind, von Jugendlichen mit laufendem Cannabiskonsum unterscheiden. Dafür untersuchten wir 118 junge Menschen, die z. B. in Wohngruppen lebten. Wir fanden heraus, dass ehemalige Konsumierende häufiger Freunde oder Freundinnen hatten, die auch nicht Cannabis konsumieren. Dies unterstreicht die Bedeutung des Freundeskreises beim Cannabiskonsum.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich erkläre, dass während der letzten 3 Jahre die folgenden wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden: Christiane Baldus erhält in geringem Umfang Erlöse als Autorin des bereits publizierten Manuals „CAN Stop – Ein Gruppentraining für jungen Cannabiskonumenten“. Die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Baldus-Firnhaber, C., Julian, H., Kunze, S., Arnaud, N., Schulz, A.-L., & Paschke, K. (2026). Risiko- und Resilienzfaktoren von Ex- und Nie-Usern im Kontrast zu aktuell Konsumierenden in der stationären Jugendhilfe . Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2906