Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Die S3-Leitlinie Cannabisabhängigkeit
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Cannabis kann abhängig machen und psychische sowie körperliche Folgen verursachen. Die neue S3-Leitlinie bietet erstmals wissenschaftlich geprüfte Empfehlungen zur Behandlung cannabisbezogener Störungen. Empfohlen werden Gespräche zur Motivation, Verhaltenstherapie sowie familien- und alltagsbezogene Unterstützung, besonders für Jugendliche. Auch das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom mit Übelkeit und Erbrechen wird berücksichtigt. Zugelassene Medikamente gibt es bisher nicht. Die Leitlinie fordert mehr Behandlungsangebote und betont: Cannabisbezogene Störungen sind ernstzunehmende Erkrankungen und keine persönliche Schwäche.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Cannabis stellt in Deutschland nach Alkohol den zweithäufigsten Anlass für eine suchtspezifische Behandlung dar. Schätzungen zufolge erfüllen etwa 1,5 % der Erwachsenen und 2,5 % der Jugendlichen die Kriterien einer cannabisbezogenen Störung. Vor diesem Hintergrund wurde erstmals eine evidenzbasierte S3-Leitlinie zur Behandlung cannabisbezogener Störungen entwickelt.
Methoden
Die Leitlinie wurde unter Federführung der DG-Sucht, DGKJP und DGPPN erstellt. Die systematische Recherche, Bewertung der Literatur nach GRADE und Erstellung von Evidenzberichten wurde vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) durchgeführt. Am interdiziplinären Konsensprozess zur Formulierung von Behandlungsempfehlungen waren 20 Fachgesellschaften, Berufs-, Betroffenen- und Angehörigenverbände beteiligt.
Ergebnisse
Empfohlen werden für Erwachsene motivierende Interventionen, kognitive Verhaltenstherapie und abstinenzorientiertes Kontingenzmanagement. Für Jugendliche werden zusätzlich familienorientierte, sozialraumbezogene und digitale Therapieangebote hervorgehoben. Erstmals berücksichtigt die Leitlinie auch das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom als somatische Folge chronischen Konsums und empfiehlt Aufklärung sowie abstinenzorientierte Behandlung. Zudem adressiert sie komorbide psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Psychosen sowie besonders vulnerable Gruppen. Pharmakologische Interventionen werden ausschließlich symptomorientiert und off-label empfohlen, da bislang keine zugelassenen Medikamente existieren.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die Leitlinie betont die Notwendigkeit individualisierter Versorgung, des Ausbaus niedrigschwelliger Angebote und der Entstigmatisierung Betroffener.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.