Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Cannabis – Risiken und Mythen, Ergebnisse eines empirischen Forschungsprojektes

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Christian Schütze (Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Es gibt viele Überzeugungen zu den Wirkungen von Cannabis. Diese Überzeugungen wurden gesammelt. Die wichtigsten Überzeugungen wurden geprüft: Sind sie richtig oder falsch?


Es wurde untersucht: Welche Überzeugungen sind weit verbreitet? Welche Überzeugungen sind wichtig für die Menschen? Welche Überzeugungen beurteilen die Personen richtig? Über welche Überzeugungen sollten die Menschen besonders aufgeklärt werden? Alle diese Fragen wurden für verschiedene Gruppen beantwortet . Das waren Erwachsene, Jugendliche, junge Erwachsene, Eltern und Cannabiskonsument:innen.


Die Antworten auf die Fragen unterscheiden sich zwischen den Gruppen.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Zum Konsum von nichtmedizinischem Cannabis bestehen viele Mythen, etwa Überzeugungen von Auswirkungen auf Gesundheit oder soziale Zusammenhänge. Diese Überzeugungen besitzen Relevanz für Einstellungen zum Cannabiskonsum und sind damit Anknüpfungspunkte für Suchtpräventionsmaßnahmen. Ziel des Projektes war zu ermitteln, welche Mythen in welchen Präventionszielgruppen verbreitet sind, welche Bedeutung sie dort haben, in welchem Maße sie falsch beurteilt werden und welcher entsprechende Präventionsbedarf sich daraus ableiten lässt?

Methoden
Im Forschungsprojekt „Cannabiskonsum - Risiken und Mythen“ wurden verbreitete Auffassungen zu Cannabiswirkungen multimodal erfasst, die empirisch ermittelten Mythen wissenschaftlich, hierarchisch literaturgestützt, geprüft und deren Verbreitung und Relevanz mithilfe mehrerer Befragungen (volljährige Bevölkerung, 16-17-Jährige, Konsument:innen) quantifiziert. Die Auswertungen berücksichtigten ebenfalls die Präventionszielgruppen Eltern und junge Erwachsene. Zusätzlich wurden Potentiale verschiedener Zugangswege zu den Zielgruppen für Gesundheitsinformationen geprüft.

Ergebnisse
Die Erfassung offenbarte eine beachtliche Anzahl Cannabismythen in den Bereichen Körper, Psyche, Substanz, Soziales und Rechtliches. Die wissenschaftliche Prüfung von 39 Überzeugungen führte zu verdichteten Fact-Sheets inklusive abgestufter Urteile zur Richtigkeit der jeweiligen Überzeugungen. Auswirkungen des Konsums wurden bestätigt (z. B. Möglichkeit der Abhängigkeit), nicht bestätigt (z. B. Wirkung gegen Depressionen), eher bestätigt (z. B. gesundheitliche Schäden entstehen bei Jugendlichen in stärkerem Maße als bei Erwachsenen) oder auch eher nicht bestätigt (z. B. Wirkung gegen Schmerzen).

Mehrheitlich gekannt wird eine begrenzte Anzahl von Mythen in allen präventiven Zielgruppen. Die Bedeutung der Mythen variiert zwischen den Zielgruppen. Falsch beurteilt werden in vielen Zielgruppen insbesondere vermeintliche soziale Auswirkungen des Konsums. Eine gehobene empirische Präventionsbedeutung besitzen nur einzelne Mythen in einzelnen Zielgruppen. Konsument:innen unterscheiden sich in Bezug auf einige dieser Kennwerte von den anderen Zielgruppen.

Für die Zielgruppen zeigten sich unterschiedliche Erreichungswege mit einem hohen Präventionspotential.

Diskussion und Schlussfolgerung
Eine Vielzahl an Auffassungen zum Cannabiskonsum konnte erfasst und wissenschaftlich eingeordnet werden. Mit den vorgelegten Daten zur zielgruppenspezifischen Verbreitung, Bedeutung, richtigen bzw. falschen Beurteilung und abgeleiteten Präventionsbedeutung stehen wichtige Kennziffern als eine Grundlage rationaler Präventionsarbeit zur Verfügung.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Schütze, C. (2026). Cannabis – Risiken und Mythen, Ergebnisse eines empirischen Forschungsprojektes. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2904