Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Inzidenz und Persistenz der Computerspielstörung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland: Ergebnisse einer repräsentativen längsschnittlichen Befragung über sechs Jahre

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Katharina Busch (Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)), Hanna Wiedemann (Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)), Kerstin Paschke (Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)), Lisa Klamert (Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE))

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache


  1. Das Problem in einem einfachen Satz
    Die Computerspielstörung bei Kindern und Jugendlichen ist ein wichtiges Thema. Gleichzeitig gibt es bisher nur wenige Daten dazu, wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt.

  2. Ziel der Studie
    In dieser Studie wollten wir herausfinden, wie viele Kinder und Jugendliche in Deutschland von einer Computerspielstörung über zwei Wellen hinweg betroffen sind.

  3. Methode stark vereinfachen
    Dafür haben wir Fragebögen zur Computerspielstörung ausgewertet, die Kinder und Jugendliche über mehrere Jahre ausgefüllt haben.

  4. Wichtigstes Ergebnis
    Wir fanden heraus, dass mehr Jugendliche während der Pandemie von einer Computerspielstörung betroffen waren.

  5. Bedeutung / Nutzen
    Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig problematische Mediennutzung bei Jugendlichen ist. Sie können helfen, passende Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung zu entwickeln.


 


 

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Seit 2019 ist die Computerspielstörung in der 11. Revision der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) der Weltgesundheits-organisation (WHO) als eigenständige Diagnose klassifiziert [1,2]. Aufgrund neurobiologischer Reifungsprozesse sowie zentraler soziopsychologischer Entwicklungsaufgaben weisen Kinder und Jugendliche eine erhöhte Vulnerabilität für die Entwicklung von Computerspielstörungen auf [3]. Gleichzeitig fehlt es an längsschnittlichen Daten zur Entwicklung über mehrere Jahre. Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, die zeitliche Entwicklung der Inzidenz (d.h. Neuauftreten) und Persistenz (d.h. Andauern bzw. Fortbestehen) der Computerspielstörung unter Kindern und Jugendlichen zu untersuchen sowie potenzielle Risiko- oder Schutzfaktoren aufzudecken.

Methoden
Im Rahmen der OTTER-Studie wurden repräsentative Stichproben von Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren aus Deutschland von dem Marktforschungs- und Meinungsforschungsunternehmen forsa [4] mittels Online-Umfrage jährlich zwischen 2019 und 2024 erhoben. Zusätzlich wurden längsschnittliche Daten von wiederholten Teilnehmer:innen erfasst, wobei zwischen 600 und 700 Kinder und Jugendliche an jeweils zwei aufeinanderfolgenden Wellenpaaren teilnahmen. Die Computerspielstörung wurde anhand der Gaming Disorder Scale for Adolescents (GADIS-A [5]) erfasst. Deskriptive Statistiken zur Untersuchung der Entwicklung der Computerspielstörung sowie potenzielle Risiko- und Schutzfaktoren für die Inzidenz und Persistenz wurden mithilfe von Modellen der verallgemeinerten Schätzgleichungen untersucht.

Ergebnisse
Während der COVID-19-Pandemie konnte ein Anstieg der Zwei-Wellen-Inzidenz der Computerspielstörung festgestellt werden. Im Vergleich dazu nahm die Persistenz mit den Jahren eher ab. Zusätzlich konnten einige Risiko- und Schutzfaktoren identifiziert werden.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Computerspielstörung ist ein relevantes Störungsbild unter Kindern und Jugendlichen. Die Ergebnisse unterstreichen die klinische Relevanz der Computerspielstörung und liefern wichtige Implikationen für eine personalisierte Prävention und Behandlung.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Busch, K., Wiedemann, H., Paschke, K., & Klamert, L. (2026). Inzidenz und Persistenz der Computerspielstörung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland: Ergebnisse einer repräsentativen längsschnittlichen Befragung über sechs Jahre . Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2902