Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Behandlungsmotivation bei problematischer Nutzung sozialer Netzwerke: Einflussfaktoren und Zusammenhänge
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Die Nutzung sozialer Netzwerke kann zu Stress, schlechter Konzentration und Problemen im Alltag führen. Es ist wenig bekannt, ob Betroffene ihr Verhalten ändern möchten oder Hilfe suchen.
Wir wollen herausfinden, ob Menschen mit diesen Problemen bereit sind, etwas zu ändern oder eine Behandlung zu beginnen – und wie das mit ihren Alltagsproblemen zusammenhängt. 53 Personen wurden zu ihrer Nutzung sozialer Netzwerke befragt und füllten Fragebögen zu ihrem Wohlbefinden und ihren Problemen im Alltag aus. Nur 6 von 53 Personen geben an, eine Behandlung in Anspruch nehmen zu wollen. Gleichzeitig berichteten viele über Probleme im Alltag, sahen jedoch keinen Grund, Hilfe zu suchen. Deshalb ist es wichtig, Angebote zu schaffen, die leicht zugänglich sind und Menschen dabei helfen, über eine Veränderung nachzudenken.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Die problematische Nutzung sozialer Netzwerke (PSNU) steht im Fokus des wissenschaftlichen und öffentlichen Diskurses und wird durch funktionale Beeinträchtigungen sowie negative Konsequenzen im Alltag charakterisiert. Während sich die bisherige Forschung vor allem auf Persönlichkeitsmerkmale und erste zugrunde liegende Mechanismen konzentriert, wurden Aspekte wie subjektiver Veränderungsbedarf und Behandlungsmotivation weniger berücksichtigt. Ziel der vorliegenden Studie ist daher die Untersuchung der selbstberichteten Behandlungsmotivation bei Personen mit einer PSNU sowie der Rolle von funktionellen Beeinträchtigungen und psychopathologischen Symptomen.
Methoden
Die Daten stammen aus der DFG-Forschungsgruppe FOR2974, zweite Kohorte. Entsprechend strukturierten diagnostischen Interviews (AICA-SKI:IBS; adaptiert für PSNU basierend auf DSM-5-Kriterien für Gaming) wiesen N=53 Teilnehmende (32 weiblich, 21 männlich) eine PSNU auf. Funktionelle Beeinträchtigungen wurden mithilfe des WHODAS erfasst. Ergänzend beantworteten die Teilnehmenden standardisierte psychologische Selbstauskunftsverfahren (u. a. BSI-53) und gaben an, ob sie aufgrund ihrer Nutzung sozialer Netzwerke eine psychotherapeutische Behandlung in Anspruch nehmen würden.
Ergebnisse
Erste Analysen zeigen, dass lediglich sechs Personen mit PSNU von einer konkreten Behandlungsbereitschaft berichten. Die stärksten funktionellen Beeinträchtigungen äußern sich deskriptiv in den Bereichen Konzentration und emotionaler Belastung. Die Symptomdimensionen Eingenommenheit sowie die Fortführung der Nutzung trotz negativer Konsequenzen weisen die höchsten Korrelationen mit globalen funktionellen Einschränkungen auf. Darüber hinaus zeigen insbesondere Ängstlichkeit und soziale Unsicherheit die stärksten Zusammenhänge mit funktionellen Einschränkungen sowie der Gefährdung wichtiger sozialer Beziehungen.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse deuten auf Basis deskriptiver Analysen auf eine Diskrepanz zwischen erhöhter Symptomschwere und geringer Behandlungsmotivation hin. Insbesondere selbstberichtete affektive und kognitive Beeinträchtigungen sowie sozial-interaktionale Faktoren zeigen Zusammenhänge mit PSNU und deren funktionellen Konsequenzen. Auffällig ist zudem, dass jene Symptomdimensionen, die eine hohe Alltagsrelevanz aufweisen, nur begrenzt mit einer subjektiven Veränderungsmotivation einhergehen. Dies unterstreicht die Bedeutung motivationsfördernder Strategien sowie niedrigschwelliger Interventionsansätze, die stärker an subjektiv wahrgenommenen Beeinträchtigungen ansetzen.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
[Bitte Nichtzutreffendes löschen bzw.ergänzen]
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.
Die Arbeit der Autor:innen an diesem Abstract erfolgte im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe zu affektiven und kognitiven Mechanismen spezifischer Internetnutzungsstörungen (FOR2974, Pr.-Nr. 411232260).