Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Die Berliner Crack-Studie: Konsummuster, Lebenslagen und Versorgungsstrukturen
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Die Berliner Crack-Studie zeigt, dass die Probleme im Zusammenhang mit Crack-Konsum nicht allein durch die Substanz selbst erklärbar sind. Entscheidend sind vor allem die Lebensbedingungen vieler Betroffener: Wohnungslosigkeit, fehlende Krankenversicherung, psychische Auffälligkeiten, Armut und schwer erreichbare Hilfen treten häufig gemeinsam auf und verstärken sich gegenseitig. Wirksame Unterstützung muss deshalb über reine Suchtbehandlung hinausgehen und soziale, medizinische, psychiatrische und wohnraumbasierte Hilfen besser miteinander verbinden.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Crack-Konsum prägt zunehmend das Bild der offenen Drogenszene Berlins und stellt Suchthilfe sowie gesundheitliche Versorgung vor strukturelle Herausforderungen. Im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege wurde die Crack-Situation in Berlin erstmals systematisch untersucht, um Konsummuster, Lebenslagen und Versorgungsbedarfe der Konsumierenden zu beschreiben und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Methoden
Es wurde ein Mixed-Methods-Design mit vier Teilstudien umgesetzt: eine Sekundärdatenanalyse der Berliner Suchthilfestatistik, eine standardisierte Szenebefragung an Berliner Szeneorten (n = 153), qualitative Interviews mit Konsumierenden und Fachkräften niedrigschwelliger Einrichtungen sowie leitfadengestützte Fokusgruppen mit Expert*innen aus Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe, medizinischer Versorgung, Polizei und Justiz. Die quantitativen Daten wurden deskriptiv und inferenzstatistisch ausgewertet, ergänzt durch zwei latente Klassenanalysen zu konsumbasierten und syndemischen Belastungsmustern; die qualitativen Daten wurden inhaltsanalytisch nach Kuckartz ausgewertet.
Ergebnisse
Die Sekundärdatenanalyse zeigte einen deutlichen Anstieg Crack-bezogener Hilfekontakte in Berlin und verwies auf eine wachsende Bedeutung von Crack im Versorgungssystem. Die Szenebefragung beschrieb eine stark belastete Population mit häufigem Crack-Konsum, ausgeprägtem Polysubstanzgebrauch, Hinweisen auf psychiatrische Auffälligkeiten sowie erheblicher struktureller Exklusion, insbesondere Obdachlosigkeit und fehlender Krankenversicherung. Die latenten Klassenanalysen identifizierten unterschiedliche Konsum- und Belastungsprofile, in denen sich substanzbezogene, gesundheitliche und soziale Problemlagen in spezifischen Gruppen verdichteten. Qualitative Interviews und Fokusgruppen zeigten eine räumlich fragmentierte, durch Verdrängungsprozesse geprägte Drogenszene sowie erhebliche Zugangsbarrieren zu bestehenden Hilfesystemen. Zentrale Defizite betreffen fehlende Niedrigschwelligkeit, begrenzte psychiatrische und medizinische Anbindung sowie die unzureichende Abstimmung zwischen Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe, Gesundheitsversorgung und ordnungsrechtlichen Akteuren.
Diskussion und Schlussfolgerung
Crack-Konsum in Berlin ist in gesundheitliche, psychiatrische und strukturelle Problemlagen eingebettet, die sich syndemisch verschränken, in spezifischen Subgruppen bündeln und wechselseitig verstärken. Die Befunde sprechen für einen integrierten Versorgungsansatz, der niedrigschwellige und aufsuchende Suchthilfe, sozialpsychiatrische Versorgung und wohnraumbasierte Interventionen systematisch verbindet sowie den Zugang unabhängig vom Versicherungsstatus sichert.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.