Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Barrieren senken, Glücksspielverhalten reflektieren – Ergebnisse einer Online-Befragung von Fachkräften der Sucht- und Eingliederungshilfe
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Menschen mit Beeinträchtigungen haben heute mehr Möglichkeiten, selbst zu entscheiden und teilzuhaben. Trotzdem ist es für sie oft schwerer, Hilfe bei Suchtproblemen zu bekommen. Die Studie untersucht, wie zwei Hilfesysteme (Sucht- und Eingliederungshilfe) mit dem Thema Sucht umgehen. Besonders geht es auch um Verhaltenssüchte, zum Beispiel Glücksspiel, und darum, wie man die Unterstützung verbessern kann. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Fachkräfte der Suchthilfe Menschen mit Beeinträchtigungen bei Suchtproblemen beraten haben. Außerdem berichten viele Fachkräfte aus der Eingliederungshilfe, dass sie ihre Klient:innen an Suchthilfeangebote vermittelt haben. Die Studie betont die Wichtigkeit des Themas und stellt vor, welche Maßnahmen daraus entstanden sind.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Die erfreuliche Zunahme an Selbstbestimmung und Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen eröffnet dieser Personengruppe neue Chancen. Im Hinblick auf Abhängigkeitserkrankungen zeigen Studien jedoch, dass sie deutlich größere Hürden beim Zugang zu Präventions- und Unterstützungsangeboten erfahren, auch wenn ihr Suchtrisiko nicht grundsätzlich höher ist als in der Allgemeinbevölkerung (Schote & Rathmann, 2024). Die vorliegende Studie untersucht zwei Hilfesysteme hinsichtlich des Konsumverhaltens von Menschen mit Beeinträchtigungen. Die Ergebnisse sollen auch zur Schließung von Forschungslücken im Bereich der Verhaltenssüchte beitragen und praxisrelevante Implikationen insbesondere für das Glücksspiel ableiten.
Methoden
Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde eine bayernweite Online Befragung in Einrichtungen der Sucht- und Eingliederungshilfe durchgeführt. Die Datenerhebung basierte auf einer Gelegenheitsstichprobe und umfasste N = 268 Fachkräfte, davon n = 111 aus der Eingliederungshilfe sowie n = 157 aus der Suchthilfe.
Ergebnisse
86 % der Fachkräfte der Suchthilfe gaben an, bereits Menschen mit Beeinträchtigungen zu suchtbezogenen Fragestellungen beraten zu haben. Dabei standen insbesondere Alkohol- und Cannabiskonsum sowie der Konsum illegaler Substanzen im Fokus. Im Bereich der Verhaltenssüchte wurden vor allem Beratungen zur Glücksspielsucht, Medienabhängigkeit und Kaufsucht angeboten. In der Eingliederungshilfe berichteten mehr als die Hälfe der Fachkräfte (54 %), bereits Klient:innen in Suchthilfemaßnahmen vermittelt zu haben; als häufig konsumierte Substanzen in der Eingliederungshilfe wurden Nikotin, Alkohol und Cannabis genannt. Zudem gaben 58 % Kenntnisse über Verhaltenssüchte im betreuten Personenkreis an. Am häufigsten wurden Medienabhängigkeit, pathologisches Horten, Essstörungen sowie pathologisches Glücksspiel genannt. Die Fachkräfte beider Arbeitsfelder sehen einen Mangel an Informations und Weiterbildungsangeboten sowie einen Bedarf an Materialien in Leichter Sprache.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse unterstreichen die Relevanz des Themas in den befragten Hilfesystemen und liefern konkrete Hinweise zur Entwicklung praxisrelevanter Maßnahmen. Auf Grundlage der erhobenen Bedarfe wurde ein Online Selbsttest zum Glücksspielverhalten in Leichter Sprache adaptiert, um eine barrierearme Reflexion des eigenen Glücksspielverhaltens zu ermöglichen.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.
Die Studie wurde von der Bayerischen Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen (BAS) im Rahmen der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern (LSG) durchgeführt. An der LSG sind BAS, IFT sowie LAGFW-BV beteiligt. Die LSG wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege finanziert. Mit der Finanzierung sind keine Auflagen verbunden.