Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Geschlechter- und diversitätssensible Empfehlungen in der S3-Leitlinie alkoholbezogener Störungen
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Die Leitlinie zur Behandlung alkoholbezogener Störungen wurde überarbeitet, um Unterschiede zwischen Geschlechtern und Lebensrealitäten besser zu berücksichtigen. Dazu wurden Studien ausgewertet und gemeinsam mit Fachleuten und Betroffenen neue Empfehlungen entwickelt. Diese beziehen biologische, psychosoziale und gesellschaftliche Faktoren ein, etwa Schwangerschaft, Rollenbilder oder Diskriminierung. Ziel ist eine individuellere und inklusivere Versorgung. Die neuen Empfehlungen sollen helfen, Barrieren abzubauen, Risiken früher zu erkennen und die Behandlung besser an die Bedürfnisse verschiedener Menschen anzupassen.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Alkoholbezogene Störungen zeigen deutliche Unterschiede in Entstehung, Verlauf, Komorbidität und Behandlungsergebnissen zwischen den Geschlechtern sowie entlang von Genderrollen und sexueller und geschlechtlicher Diversität. Dennoch werden diese Unterschiede in der aktuellen Versorgungspraxis bislang nur unzureichend durch spezifische, evidenzbasierte Empfehlungen abgebildet. Im Rahmen der Aktualisierung der S3?Leitlinie „Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen“ erfolgte daher die systematische Integration geschlechts? und diversitätssensibler Aspekte, um die Versorgung von Menschen mit alkoholbezogenen Störungen bedarfsgerechter und inklusiver zu gestalten.
Methoden
Es wurden strukturierte Literaturrecherchen zu den Themen Schwangerschaft und Stillzeit, geschlechtersensitive Aspekte sowie sexuelle und geschlechtliche Diversität durchgeführt. Die identifizierte Evidenz wurde nach etablierten Kriterien bewertet (u. a. GRADE) und in einem interdisziplinären, multiprofessionellen Konsensprozess der beteiligten Fachgesellschaften sowie von Patient:innenvertreter:innen in Empfehlungen überführt.
Ergebnisse
In Deutschland liegen damit differenzierte Empfehlungen vor, die sowohl biologische Geschlechtsunterschiede als auch psychosoziale Genderaspekte systematisch berücksichtigen. Für Schwangerschaft und Stillzeit wird klar empfohlen, dass jeglicher Konsum schädlich für das Kind sein kann; zudem werden praxisorientierte Hinweise zur Früherkennung, Beratung und Versorgung schwangerer und stillender Personen formuliert. Partner:innen werden dabei erstmals explizit in Beratung und Intervention einbezogen. Geschlechtersensitive Empfehlungen adressieren u. a. Unterschiede in Gewalt? und Traumaerfahrungen, Care?Verpflichtungen und Zugangsbarrieren und leiten daraus angepasste Strategien für Screening, Settingwahl und Behandlung ab. Für Personen mit sexueller und geschlechtlicher Diversität werden erhöhte Risiken im Kontext von Minderheitenstress und Diskriminierung, Versorgungshürden sowie Anforderungen an diskriminierungssensible Ansprache, Diagnostik und Behandlung beschrieben und in konkrete Empfehlungen übersetzt.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die neuen geschlechts? und diversitätssensiblen Empfehlungen markieren einen wichtigen Schritt hin zu einer Versorgung, die biologische, psychosoziale und gesellschaftliche Unterschiede systematisch berücksichtigt. Sie bieten eine praxisnahe Grundlage, um Versorgungslücken zu reduzieren, Zugangshürden zu senken und die Behandlung von Menschen mit alkoholbezogenen Störungen in unterschiedlichen Lebensphasen und Identitätskonstellationen zielgruppengerechter und inklusiver zu gestalten.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.