Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Emotionsregulation, Inhibitionskontrolle und emotionale Arbeitsgedächtnisleistung als Prädiktoren für problematische Soziale-Netzwerke-Nutzung

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Raphael Mergehenn (Allgemeine Psychologie: Kognition, Fakultät für Informatik, Universität Duisburg-Essen), Lena Klein (Allgemeine Psychologie: Kognition, Fakultät für Informatik, Universität Duisburg-Essen), Elisa Wegmann (Allgemeine Psychologie: Kognition, Fakultät für Informatik, Universität Duisburg-Essen), Matthias Brand (Allgemeine Psychologie: Kognition, Fakultät für Informatik, Universität Duisburg-Essen)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Die problematische Nutzung sozialer Netzwerke ist ein wichtiges Thema, weil viele Menschen dabei von Problemen im Alltag berichten.


In dieser Studie wollten wir herausfinden, welche emotionalen Prozesse eine problematische Nutzung erklären können.


Dafür untersuchten wir Personen in einer Laborstudie mit Fragebögen und computergestützten Aufgaben.


Wir fanden heraus, dass vor allem Schwierigkeiten in der Emotionsregulation zu einer problematischen Nutzung beitragen könnten.


Diese Ergebnisse können helfen, die Ursachen für eine problematische Nutzung besser zu verstehen.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Die Nutzung sozialer Netzwerke ist ein wichtiger Bestandteil des Alltags, die jedoch zunehmend auch mit negativen Konsequenzen assoziiert ist. In diesem Zusammenhang wird die problematische Nutzung sozialer Netzwerke (PSNU) als potenzielle Internetnutzungsstörung beschrieben, wobei theoretische Rahmenmodelle wie das I-PACE Modell als Erklärungsansatz für die Entwicklung und Aufrechterhaltung der problematischen Nutzung dienen. Es wird davon ausgegangen, dass verminderte Exekutivfunktionen und Schwierigkeiten im Umgang mit Emotionen sowohl Risikofaktoren als auch Konsequenzen einer PSNU sein können. Dieser Beitrag untersucht, inwieweit Emotionsregulation, Inhibitionskontrolle und emotionale Arbeitsgedächtnisleistung als affektive und kognitive Mechanismen PSNU vorhersagen können.

Methoden
In einer Laboruntersuchung wurden 94 Proband:innen im Alter von 18 bis 56 Jahren (61,7% weiblich) erhoben. Die Symptomschwere einer PSNU, Schwierigkeiten in der Emotionsregulation und demografische Daten wurden mit Selbstauskunftsfragebögen erfasst. Die emotionale Arbeitsgedächtnisleistung wurde mit einer emotional Working Memory Task (eWMT) und Inhibitionskontrolle mit dem Stroop-Test gemessen.

Ergebnisse
Es konnte weder ein Zusammenhang von PSNU-Tendenzen und der Leistung in der eWMT noch von PSNU-Tendenzen und der Inhibitionskontrolle gezeigt werden. Der Zusammenhang von PSNU-Tendenzen und Schwierigkeiten in der Emotionsregulation hat sich bestätigt. Eine multiple Regression ergab ein signifikantes Gesamtmodell mit allen drei Prädiktoren, wobei dysfunktionale Emotionsregulation der einzige signifikante Prädiktor für PSNU war.

Diskussion und Schlussfolgerung
Schwierigkeiten in der Emotionsregulation scheinen im Zusammenhang mit einer PSNU zu stehen. Emotionale Arbeitsgedächtnisleistung als Kombination von affektiven und kognitiven Prozessen scheint nicht mit PSNU-Tendenzen assoziiert zu sein. In anderen Studien konnten bereits Zusammenhänge zwischen PSNU und Inhibitionskontrolle gezeigt werden, allerdings primär bei pathologischem Nutzungsverhalten, was in der vorliegenden Stichprobe nur gering ausfiel. Zukünftige Studien könnten die Interaktion emotionaler Arbeitsgedächtnisleistungen mit Emotionsregulation bei PSNU in klinischen Stichproben prüfen, sowie deren potenziellen Beitrag zur Aufrechterhaltung von PSNU.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.







Die Arbeit der Autor:innen an diesem Abstract erfolgte im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe zu affektiven und kognitiven Mechanismen spezifischer Internetnutzungsstörungen (FOR2974, Pr.-Nr. 411232260).

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Mergehenn, R., Klein, L., Wegmann, E., & Brand, M. (2026). Emotionsregulation, Inhibitionskontrolle und emotionale Arbeitsgedächtnisleistung als Prädiktoren für problematische Soziale-Netzwerke-Nutzung. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2893