Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Trainingseffekte einer Arbeitsgedächtnisaufgabe bei Personen mit problematischer Nutzung sozialer Netzwerke und Computerspielstörung
Hauptsächlicher Artikelinhalt
Copyright (c) 2026 Deutscher Suchtkongress

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International.
Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Problematische Nutzung sozialer Netzwerke und Computerspielstörung sind ein dringendes Problem, weil Betroffene die Kontrolle über ihre Nutzung verlieren und dadurch ihr Alltag beeinträchtigt wird.
In dieser Studie wollen wir herausfinden, ob sich die Gedächtnisleistung durch eine bestimmte Aufgabe verbessern lässt und ob diese Verbesserung mit anderen Denkfähigkeiten verknüpft ist.
Dabei untersuchen wir, wie gut Personen mit diesem Nutzungsverhalten (Soziale Netzwerke; Computerspiele) eine Gedächtnisaufgabe lösen, die an zwei Tagen dreimal wiederholt wird.
Wir haben festgestellt, dass sich die Leistung in der Gedächtnisaufgabe über die drei Wiederholungen hinweg verbessert hat.
Diese Ergebnisse können helfen, Trainingsmöglichkeiten für Betroffene zu entwickeln.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Problematische soziale Netzwerknutzung (PSNU) und Computerspielstörung (CSS) werden mit einer verringerten Nutzungskontrolle assoziiert. Zusätzlich unterstreichen Studien den Zusammenhang zwischen eingeschränkten kognitiven Funktionen und Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation mit einer problematischen Nutzung. Dual-Prozess-Theorien beschreiben ein Ungleichgewicht zwischen kognitiven Funktionen wie Arbeitsgedächtniskapazität und affektiven Prozessen im Verlauf einer problematischen Nutzung. Im Rahmen der Forschungsgruppe FOR2974 wird der Fragestellung nachgegangen, ob sich die Leistungen im emotionalen Arbeitsgedächtnis durch spezifisches Training zu drei Messzeitpunkten bei Personen mit PSNU und CSS verbessert und welche Rolle weitere kognitive Leistungsparameter spielen.
Methoden
Im Teilprojekt 8 der FOR2974 wurde eine technische Lösung zur Durchführung der emotional Working Memory Task (eWMT) entwickelt und bisher von 38 Personen (w=27, m=11; Alter: M=26.28, SD=8.89, Range: 19-64) durchgeführt. Die eWMT ist eine Dual-n-Back Aufgabe, bei der den Teilnehmenden visuelle und auditive Reize parallel gezeigt werden. Dabei sollen sie angeben, ob die aktuellen Reize (visuell, auditiv oder beide) mit denen aus einer vorherigen Runde (1-back) oder weiter zurückliegenden Runden (n-back) übereinstimmen. Insgesamt wird die Aufgabe zu drei Zeitpunkten an zwei aufeinanderfolgenden Tagen durchgeführt. Anhand eines strukturierten diagnostischen Interviews werden Personen in Gruppen mit PSNU (n=29) oder CSS (n=9) eingeteilt. Zusätzlich dazu werden weitere Aufgaben zur Erfassung kognitiver und affektiver Prozesse erhoben.
Ergebnisse
Die vorläufigen Ergebnisse veranschaulichen eine signifikante Verbesserung der Leistung im eWMT über die drei Messzeitpunkte. Der Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen eWMT-Leistung und logischem Denken ist signifikant. Es liegen keine Zusammenhänge zwischen der eWMT-Leistung und der Interferenzkontrolle vor.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die Leistung im eWMT konnte sich durch das Training verbessern. Auch ist die eWMT Leistung mit logischem Denken assoziiert. Mögliche Unterschiede zwischen den Gruppen sowie weitere Erkenntnisse zur Verbesserung der Arbeitsgedächtnisleistung werden in einer größeren Stichprobe berichtet. Die Ergebnisse dienen als erster Aufschlag für die Ableitung von Interventionsmöglichkeiten für PSNU und CSS.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.
Die Arbeit der Autor:innen an diesem Abstract erfolgte im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe zu affektiven und kognitiven Mechanismen spezifischer Internetnutzungsstörungen (FOR2974, Pr.-Nr. 411232260).