Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Einfluss des familiären Umfelds auf den Gebrauch von Tranquilizern und Sedativa bei Jugendlichen

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Anna-Maria Deibler (IFT Institut für Therapieforschung), Kilian Olk (IFT Institut für Therapieforschung), Regina Hollweck (IFT Institut für Therapieforschung), Sally Olderbak (IFT Institut für Therapieforschung)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Der Gebrauch von Beruhigungs- und Schlafmitteln ist unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den letzten Jahren angestiegen. Der Gebrauch ohne ärztliche Begleitung kann zu negativen gesundheitlichen Folgen führen. In dieser Studie wollten wir herausfinden, ob sich das familiäre Umfeld der Jugendlichen auf den Gebrauch von Beruhigungs- und Schlafmitteln auswirkt. Dafür analysierten wir Daten aus Schülerbefragungen in Deutschland und Europa. Die Gebrauchszahlen und Ergebnisse der Analysen werden vorgestellt. Diese Ergebnisse können helfen, den Gebrauch von Beruhigungs- und Schlafmitteln unter Jugendlichen besser zu verstehen und gezielte Maßnahmen zu entwickeln.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Der Gebrauch von Tranquilizern und Sedativa bei jungen Erwachsenen (18- bis 24-jährige) ist in Deutschland seit 2012 leicht angestiegen, jedoch war diese Veränderung nicht signifikant. Bei Jugendlichen (15- bis 16-jährige) dagegen hat sich der Gebrauch in Bayern seit 2003 etwa verzehnfacht. Ein potenzieller Einflussfaktor, der den Substanzgebrauch beeinflussen könnte, ist das familiäre Umfeld. In der vorliegenden Studie wurde untersucht, inwiefern sich bestimmte Aspekte des familiären Umfelds auf den Gebrauch von Tranquilizern/Sedativa bei Jugendlichen auswirken.

Methoden
Die Analyse basiert auf Daten des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) und der Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD). Der ESA ist eine bevölkerungsrepräsentative Studie zum Monitoring des Substanzkonsums und seiner Folgen in der allgemeinen Erwachsenenbevölkerung (18- bis 64-jährige) in Deutschland. ESPAD ist eine länderübergreifende Befragung zum Substanzkonsum und ?missbrauch bei 15- bis 16-jährigen europäischen Jugendlichen. Der deutsche ESPAD umfasst 2024 ausschließlich Daten von Schülerinnen und Schülern aus Bayern, die im Jahr 2008 geboren wurden. Um statistische Zusammenhänge zwischen dem familiären Umfeld und des Gebrauchs von Tranquilizern/Sedativa zu erfassen, wurden die deutschen und europäischen Daten der ESPAD 2024 mit einem multinomialen logistischen Regressionsmodell analysiert.

Ergebnisse
In den Ergebnissen werden Trends zum Gebrauch von Tranquilizern/Sedativa unter 15- bis 16-jährigen aus der ESPAD (2003 bis 2024) und jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 aus dem ESA (2012 bis 2024) dargestellt. Eine schlechtere Beziehung zu den Eltern und weniger elterliches Monitoring sind bei Jugendlichen in Bayern mit einem erhöhten Gebrauch von Tranquilizern/Sedativa assoziiert. Die Ergebnisse der deutschen ESPAD werden in den europäischen Kontext eingeordnet.

Diskussion und Schlussfolgerung
Daten zeigen, dass der Gebrauch von Tranquilizern und Sedativa in den letzten 20 Jahren unter Jugendlichen in Bayern angestiegen ist. Es gibt Zusammenhänge zwischen dem familiären Umfeld und einem erhöhten Gebrauch von Tranquilizern/Sedativa bei Jugendlichen.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Deibler, A.-M., Olk, K., Hollweck, R., & Olderbak, S. (2026). Einfluss des familiären Umfelds auf den Gebrauch von Tranquilizern und Sedativa bei Jugendlichen. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2886