Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Telefonberatung bei Rauchenden mit komorbiden psychischen Erkrankungen
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Die Telefonberatung zur Rauchentwöhnung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit ist 72 Stunden pro Woche erreichbar. Auch Menschen, die Medikamente für die Psyche nehmen, erhalten dort Hilfe. Nach 3 Monaten und nach 12 Monaten werden Anrufende noch einmal gefragt, ob sie ihr Rauchverhalten verändert haben. Anrufende, die Medikamente für die Psyche nehmen, hören seltener ganz mit dem Rauchen auf als andere. Mit der Telefonberatung haben sie trotzdem bessere Chancen, als wenn sie keine Hilfe bekommen.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Die BIÖG-Telefonberatung zur Rauchentwöhnung ist Teil der Kampagne "rauchfrei" und als Vollservice-Helpline 72 Stunden pro Woche besetzt. Sie bietet kostenfreie Erstberatung und weitere proaktive Ausstiegsbegleitung für ausstiegswillige oder rückfallbesorgte Anrufende an. Auch Anrufenden mit psychischer Komorbidität wird diese Beratung angeboten.
Methoden
Rauchende mit psychischer Komorbidität sind ähnlich ausstiegsbereit wie andere Rauchende auch und dürfen eine angemessene Unterstützung erwarten. Ein Rauchstopp stellt keine Gefahr für die psychische Gesundung dar, so dass bewährte Strategien der Tabakentwöhnung eingesetzt werden können. An der Telefonberatung wird nicht nach unterschiedlichen Diagnosen unterschieden, sondern nur nach der aktuellen Einnahme von Medikamenten „für die Psyche“ gefragt. Die Beratung am Telefon wird somit auf Tabakentwöhnung konzentriert und begrenzt, wobei sichergestellt wird, dass die psychiatrische Erkrankung von Experten betreut wird, die auch die eventuell notwendige medikamentöse Dosisanpassung nach einem Rauchstopp vornehmen. Die Wirksamkeit der Telefonberatung wird durch eine freiwillige Teilnahme an Nachbefragungen nach drei und 12 Monaten ermittelt.
Ergebnisse
Bei gut 15% der ausstiegswillige Anrufende und Kurzzeit-Nichtrauchende mit Beratungsbedarf wurde im ersten Quartal 2026 aktuell die Einnahme von Psychopharmaka kodiert. Bei den Nachbefragungen ist der Anteil von Anrufenden mit psychischer Komorbidität, erhoben über die Frage nach der Einnahme von Psychopharmaka, unter den nicht abstinenten Anrufenden signifikant höher. Auch in den multivariaten Modellen für die Vorhersage der Abstinenz fungiert die Einnahme von Psychopharmaka als Prädiktor für fortgesetzten Tabakkonsum: Wenn die Einnahme von Psychopharmaka genannt wurde, ging das langfristig mit erheblich geringeren Abstinenzchancen einher (24% im Vergleich zu 41%, wenn keine Einnahme von Psychopharmaka kodiert wurde).
Diskussion und Schlussfolgerung
Anrufende, die Psychopharmaka einnehmen, haben in Überstimmung mit anderen Forschungsergebnissen bei der Nutzung telefonischer Rauchstopp-Beratung zwar geringere Erfolgsaussichten als andere Anrufende, aber dennoch deutliche bessere Chancen, als sie ohne telefonische Unterstützung hätten.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre die folgenden wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden:
Peter Lindinger erhält Honorare von dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) für Schulung und Coaching der Mitarbeitenden des Beratungstelefons zur Rauchentwöhnung