Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Alkoholkonsum in der Schwangerschaft ansprechen: Chancen und Grenzen digitaler Fortbildungen für Fachkräfte

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Annette Binder (Sektion Suchtmedizin und Suchtforschung, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Tübingen), Matthias Burke (Sektion Suchtmedizin und Suchtforschung, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Tübingen), Theresa Kimmel (Sektion Suchtmedizin und Suchtforschung, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Tübingen), Isabel Brandhorst (Abteilung Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen), Anil Batra (Sektion Suchtmedizin und Suchtforschung, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Tübingen)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Alkoholkonsum in der Schwangerschaft ist ein wichtiges Problem, weil dadurch gesundheitliche Schäden beim ungeborenen Kind entstehen können. In dieser Studie wollten wir herausfinden, wie gut eine digitale Fortbildung Fachkräfte zum Thema Alkoholkonsum in der Schwangerschaft unterstützen kann. Dafür befragten wir Fachkräfte vor und nach der Teilnahme an einem Online-Kurs und sammelten ihre Rückmeldungen. Wir fanden heraus, dass die digitale Fortbildung insgesamt gut bewertet wurde, aber von verschiedenen Berufsgruppen unterschiedlich gut nutzbar eingeschätzt wurde. Diese Ergebnisse können helfen, bessere Fortbildungen für Fachkräfte zu entwickeln und die Beratung in der Schwangerschaft zu verbessern.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kann zur Entstehung fetaler Alkoholspektrumstörungen (FASD) führen und gilt als vermeidbarer Risikofaktor. Fachkräfte wie Hebammen, Gynäkolog*innen sowie Mitarbeitende in Beratungsstellen nehmen eine zentrale Rolle bei Prävention und Beratung ein. Gleichzeitig bestehen im Versorgungsalltag Barrieren wie Unsicherheiten in der Gesprächsführung und fehlendes Fachwissen. Digitale Fortbildungsangebote könnten hier einen niedrigschwelligen Zugang zu Qualifizierung ermöglichen.

Methoden
Im Rahmen des vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) geförderten Projekts „Verstehen, unterstützen, motivieren – Gemeinsam für eine Schwangerschaft ohne Alkohol“ wurde ein interdisziplinär entwickeltes E-Learning erstellt und evaluiert. Inhalte umfassten Wissen zu Alkoholkonsum in der Schwangerschaft, FASD, Stigmatisierung sowie kommunikative Kompetenzen auf Basis des Motivational Interviewing. Eine Besonderheit des Programms waren interaktive Fallbeispiele mit unterschiedlichen Beratungssituationen zur praxisnahen Anwendung der Inhalte. Die Evaluation erfolgte anhand von 194 Teilnehmenden mittels Onlinefragebögen vor und nach Teilnahme sowie Rückmeldungen zu Lerneinheiten direkt über die Plattform.

Ergebnisse
62,4 % der Teilnehmenden schlossen das E-Learning vollständig ab. Sozialarbeiter*innen absolvierten das Programm häufiger vollständig als Ärzt*innen und Hebammen. Die Lerninhalte wurden insgesamt als verständlich und hilfreich bewertet. Positiv hervorgehoben wurden insbesondere die interaktiven Fallbeispiele und der Praxisbezug. Gleichzeitig zeigte sich, dass einzelne Teilnehmende kommunikative Kompetenzen wie Gesprächsführung lieber in persönlichem Austausch oder durch praktische Übungen erlernen würden. Auch hierbei zeigten sich Hinweise auf berufsgruppenspezifische Unterschiede hinsichtlich der bevorzugten Lernformate.

Diskussion und Schlussfolgerung
Digitale Fortbildungen bieten gute Chancen, Fachkräfte orts- und zeitunabhängig für das sensible Thema Alkoholkonsum in der Schwangerschaft zu qualifizieren. Grenzen ergeben sich jedoch aus heterogenen Zielgruppen sowie unterschiedlichen Anforderungen der Berufsfelder. Künftige Angebote sollten daher zielgruppenspezifischer gestaltet sowie durch persönliche Lernformate ergänzt werden.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.



Erklärung zur Finanzierung: Die Förderung über das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit BIÖG erfolgte von 01.01.2023 bis 28.02.2026 (Förderkennzeichen: Z2/21.30.11/23)

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Binder, A., Burke, M., Kimmel, T., Brandhorst, I., & Batra, A. (2026). Alkoholkonsum in der Schwangerschaft ansprechen: Chancen und Grenzen digitaler Fortbildungen für Fachkräfte. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2878