Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Problematische Social Media-Nutzung und parasoziale Beziehungen: Beziehungsfunktionen und Implikationen für die Suchtprävention
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Parasoziales Involvement beschreibt einseitige Beziehungen zu u. a. Influencer*innen und wird zunehmend im Kontext problematischer Social-Media-Nutzung diskutiert. In einer Stichprobe junger Erwachsener zeigte sich, dass stärkeres parasoziales Involvement signifikant mit problematischer Nutzung zusammenhängt. Besonders relevant sind dabei emotionsregulierende, belohnende und identitätsbezogene Funktionen. Gleichzeitig weisen stärker involvierte Personen einen niedrigeren Selbstwert, höhere psychische Belastung sowie unsicher-ängstliche Bindungsmuster auf. Die Nutzung sozialer Medien scheint insbesondere für vulnerable Personen eine kompensatorische Funktion zu erfüllen, etwa zur kurzfristigen Emotionsregulation und Herstellung von Sicherheit. Insgesamt verdeutlichen die Befunde, dass parasoziale Prozesse ein zentraler Mechanismus problematischer Nutzung sind und in suchtpräventiven Ansätzen stärker berücksichtigt werden sollten.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Parasoziales Involvement (PI) beschreibt einseitige, mediatisierte Beziehungen zu Influencer*innen, die insbesondere bei jungen Menschen weit verbreitet sind. Kritisch diskutiert werden im Kontext von Parasozialität und sozialen Medien in der Literatur vermutete psychologische Abhängigkeiten sowie der potenzielle Suchtcharakter dieser Art von Beziehung (Lapierre & Lewis, 2018). Die subjektive Bedeutung der Influencer-Follower Beziehung ist jedoch bislang kaum untersucht worden. Erste Studien beschreiben bereits die prädiktive Rolle psychosozialer Vulnerabilitäten bei der Entwicklung einer Sucht nach sozialen Medien (u.a. D’Arienzo et al., 2019). Welche beziehungsrelevanten, parasozialen Mechanismen hieran beteiligt sind und wie diese mit psychosozialen Vulnerabilitäten in Zusammenhang stehen, wurde bislang noch nicht systematisch betrachtet.
Methoden
In einer Gelegenheitsstichprobe (N = 710; MAlter = 23.76, SD= 6.1; 79.9% weiblich, 17.6% männlich, 2.5% divers), die zwischen Oktober 2023 und Juni 2025 rekrutiert wurde, machten junge Erwachsene im Rahmen einer Online-Befragung Angaben zu problematischem Social-Media-Nutzungsverhalten (SMDT; Wartberg et al., 2023), PI (PIInS; Degen et al., 2025), Bindungsunsicherheiten (ECR-RD; Ehrenthal et al., 2008), Selbstwert (B-RSES; Monteiro et al., 2022) sowie Psychopathologie (BSI-18; Spitzer et al., 2011).
Ergebnisse
Zwischen dem SMDT und allen Subskalen der PIInS zeigten sich signifikant positive Zusammenhänge, insbesondere für Selbstberuhigung (r =.41, p
Diskussion und Schlussfolgerung
Unterschiedliche Funktionsbereiche parasozialer Beziehungen scheinen mit einer problematischen Social-Media-Nutzung verknüpft zu sein. So scheinen insbesondere emotionsregulierende, belohnende sowie identitätsbezogene Faktoren eine zentrale Rolle zu spielen. Zudem scheint die Nutzung sozialer Medien für vulnerablere Personengruppen eine stark kompensatorische Funktion zu haben, um niedrigschwellig Sicherheit herzustellen und sich kurzfristig zu regulieren. Suchtpräventive Ansätze im Bereich sozialer Medien sollten Parasozialität berücksichtigen.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.