Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Generative KI-Chatbots: Nutzungsmuster, emotionale Bindungen und Assoziationen mit psychischer Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Nele Schlichter (Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)), Hanna Wiedemann (Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)), Kerstin Paschke (Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE))

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Die zunehmende Nutzung von gKI-Chatbots ist ein Risiko, weil Kinder und Jugendliche einseitige Beziehungsmuster zu diesen Systemen aufbauen können. In dieser Studie wollten wir herausfinden, ob emotionale Bindungen zu Chatbots bestehen und ob diese mit psychischen Belastungen einhergehen. Dafür verwendetem wir Daten einer Umfrage unter Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Wir fanden heraus, dass Bindungen an Chatbots mit niedrigerem Wohlbefinden assoziiert sind. Diese Ergebnisse können dazu beitragen, Kinder und Jugendliche besser zu schützen.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Die Nutzung generativer KI-Chatbots (gKI) ist im Alltag von Kindern und Jugendlichen angekommen. Chatbots bieten Chancen, beispielsweise zum individualisierten Lernen oder zur niedrigschwelligen Informationssuche. Gleichzeitig birgt deren Nutzung Risiken: dazu zählt unter anderem die Entstehung parasozialer Beziehungsmuster, verstärkt durch deren zunehmende Anthropomorphisierung und damit einhergehender vermeintlich authentischer menschlicher Interaktion. Im Rahmen der Studie wird daher untersucht, ob es Hinweise auf die Entwicklung emotionaler Bindungen von Kindern und Jugendlichen an Chatbots gibt und wie diese mit psychischen Belastungen assoziiert sind.

Methoden
Die Untersuchung wurde im Rahmen einer jährlichen Online-Befragung zum Mediennutzungsverhalten von deutschen Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Ergänzend zu etablierten digitalen Medien wurden in der letzten Erhebung (Sept./Okt. 2025) 1.005 Kinder und Jugendliche erstmals zu ihrem gKI-Chatbot-Nutzungsverhalten befragt. Dabei wurden Nutzungshäufigkeit und –motive, sowie bei mindestens seltenen Nutzer:innen (N = 644) Anzeichen emotionaler Bindungen zu Chatbots erhoben. Depressionen, Stresserleben und Angst wurden mittels standardisierter Instrumente erfasst. Assoziationen zwischen emotionalen Bindungen zu Chatbots und psychischen Belastungen wurden anhand bivariater Korrelationen untersucht. Unterschiede in psychischen Belastungen wurden zwischen Gruppen unterschiedlich ausgeprägter emotionaler Bindungen mittels gruppenvergleichender Verfahren statistisch geprüft.

Ergebnisse
Die Daten betonen eine hohe regelmäßige Nutzung von gKI-Chatbots, insbesondere mit zunehmendem Alter von Jugendlichen. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass einige Kinder und Jugendliche Anzeichen emotionaler Bindungen zu gKI-Chatbots aufweisen und diese mit höheren psychischen Belastungen assoziiert sind. Aufgrund der erstmaligen Erhebung können aus diesen Assoziationen keine kausalen Schlüsse gezogen werden und sind explorativ zu betrachten.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Forschung zu Assoziationen zwischen psychischen Faktoren und gKI-Chatbot-Nutzung ist derzeit noch begrenzt. Durch die gleichzeitige Betrachtung psychosozialer Belastungen ermöglichen die vorliegenden Daten Einblicke in Zusammenhänge zwischen emotionalen Bindungsmustern zu gKI-Chatbots und dem psychischen Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen. Die Ergebnisse tragen somit zu einem erweiterten Verständnis neuer potenzieller Risiken bei und können Impulse für Prävention und Intervention liefern.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.
Erklärung zur Finanzierung: Die zugrundeliegende Studie wurde voll von der Krankenkasse DAK-Gesundheit finanziell gefördert.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Schlichter, N., Wiedemann, H., & Paschke, K. (2026). Generative KI-Chatbots: Nutzungsmuster, emotionale Bindungen und Assoziationen mit psychischer Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2876