Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Wie wirkt Alkoholkonsum auf gesundheitliche Probleme? Ergebnisse einer aktuellen Übersichtsarbeit
Hauptsächlicher Artikelinhalt
Copyright (c) 2026 Deutscher Suchtkongress

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International.
Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Alkoholkonsum verursacht mehr als 200 Krankheiten und Verletzungen, fast alle auf negativ.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Alkoholkonsum ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für globale Krankheitslast, Verletzungen und vorzeitige Mortalität, und kausal mit über 200 verschiedenen dreistelligen ICD-10 Diagnosen verbunden. Für nationale Richtlinien und Präventionsprogramme sind deshalb aktuelle Übersichtsarbeiten notwendig, die kausale Zusammenhänge und Dosis-Wirkungs-Beziehungen für vergleichende Risikobewertungen zusammenfassen.
Methoden
Die Übersichtsarbeit identifizierte vollständig alkohol-attributable Erkrankungen und Verletzungen anhand von ICD-10 und ICD-11-Codes. Zusätzlich wurden Meta-Analysen von Kohortenstudien zu durchschnittlichem Alkoholkonsum und Krankheitsrisiken und Mendel’sche Randomisierungs-Studien zu Alkohol und ischämischer Herzkrankheit systematisch ausgewertet. In einer narrative Synthesen wurden alkoholbedingte Verletzungsrisiken, biologischen Mechanismen und Reversibilität der Effekte von Alkohol zusammengefasst.
Ergebnisse
ICD-11 nennt über 50 verschiedene Codes, die den Begriff Alkohol enthalten; die wichtigsten betreffen Alkoholkonsumstörungen, alkoholbedingte Lebererkrankungen und Alkoholvergiftung. Stärker berücksichtigt werden gesundheitliche Schäden anderer durch Alkoholkonsum. Die meisten Dosis-Wirkungs-Beziehungen sind monoton steigend; J-förmige Zusammenhänge finden sich für ischämische Herzkrankheit, ischämischen Schlaganfall und Typ-2-Diabetes, meist nur ohne episodisches Rauschtrinken. Neu berücksichtigt werden verschiedene Demenzformen, für die insbesondere schwerer Alkoholkonsum als schädlicher Faktor anzusehen ist. Derzeit sind sieben Krebslokalisationen als kausal alkoholbedingt etabliert; für weitere Krebsarten ist zu erwarten, dass sie künftig in vergleichende Risikobewertungen aufgenommen werden können. Verletzungsrisiken werden vor allem durch akute Intoxikation bestimmt und betreffen auch Dritte. Akute Risiken sind nach Reduktion oder Abstinenz meist reversibel, viele chronische Folgen dagegen nur teilweise.
Diskussion und Schlussfolgerung
Obwohl Alkohol global ein wichtiger Risikofaktor ist und die Evidenz zu kausalen Zusammenhängen stets wächst, sind die zugrundeliegenden epidemiologischen Arbeiten oft durch geringe methodologische Qualität gekennzeichnet.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre die folgenden wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden:
Erklärung zur Finanzierung: Die zugrunde liegende Literaturübersicht wurde vom (U.S.) National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism finanziell unterstützt (1R01AA028224).