Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Kognitive Verzerrungen bei Glücksspielenden – Ergebnisse aus dem Glücksspielsurvey 2025
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Sehr viele Menschen in Deutschland haben Probleme mit dem Glücksspiel. Ein Grund dafür könnte sein, dass sie die Gewinnmöglichkeiten oder ihren Einfluss auf den Ausgang des Spiels überschätzen. Solche Vorstellungen nennt man in der Wissenschaft kognitive Verzerrungen. Im Rahmen einer großen Befragung von Menschen, die in Deutschland leben, ist dieses Thema genauer untersucht worden.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass kognitive Verzerrungen bei jungen Männern und Menschen mit einer Glücksspielproblematik besonders stark ausgeprägt sind. Bei der Behandlung und Prävention von Glücksspielproblemen sollte dieses Thema daher unbedingt berücksichtigt werden.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Ergebnisse von nationalen und internationalen Studien zum Thema Glücksspiel verweisen darauf, dass kognitive Verzerrungen ein evidentes Risiko für die Genese und Aufrechterhaltung glücksspielbezogener Störungen darstellen. Für Deutschland werden hierzu erstmals Befunde einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung berichtet.
Methoden
Die dem Beitrag zugrunde liegenden Analysen basieren auf Daten des Glücksspielsurveys 2025. Hierbei handelt es sich um eine repräsentative Bevölkerungsbefragung – durchgeführt zwischen August und November 2025 – zum Glücksspielverhalten der 16- bis 70-jährigen Bevölkerung. Neben Informationen zur Teilnahme an Glücksspielen, zu glücksspielbezogenen Problemen (nach DSM-5) und zu gesundheitlichen Korrelaten wurde unter anderem auch das Ausmaß kognitiver Verzerrungen unter Anwendung des Gamblers Beliefs Questionnaire (GBQ: Steenbergh et al., 2002) erhoben. Der zugehörige Summenwert kann Werte zwischen 21 und 147 annehmen.
Ergebnisse
Die an Glücksspielen teilnehmenden Männer (bezogen auf die letzten 12 Monate) weisen einen höheren durchschnittlichen GBQ-Wert auf als die Frauen (47 vs. 39). Zudem sind jüngere Spieler*innen in stärkerem Maße von kognitiven Verzerrungen betroffen als ältere (18-25 Jahre: 57; 56-70 Jahre: 37). Noch größere Differenzen zeigen sich, wenn nach den glücksspielbezogenen Problemen unterschieden wird. Während für Befragte, die keine glücksspielbezogene Störung aufweisen, ein Wert von 38 ermittelt wurde, beträgt dieser bei den riskant Glücksspielenden bereits 57. Nochmals deutlich ausgeprägter sind diese fehlerhaften Denkschemata, wenn Befragte mit einer glücksspielbezogenen Störung in den Blick genommen werden (z.B. schwere Glücksspielstörung: 95).
Diskussion und Schlussfolgerung
In der Behandlung der Glücksspielsucht sollte die therapeutische Aufarbeitung von kognitiven Verzerrungen eine bedeutsame Rolle spielen. Des Weiteren sollten präventive Interventionen durchgeführt werden, mit Hilfe derer der Entstehung von Fehlannahmen über das Glücksspiel wie z. B. Kontrollillusionen vorgebeugt wird. Ferner sollte die Werbung von Glücksspielanbietern derart gestaltet sein, dass damit keine Kontrollillusionen gefördert werden.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Das diesem Bericht zu Grunde liegende Forschungsprojekt wurde vom Deutschen Lotto- und Totoblock finanziell gefördert. Die Verwertungsrechte liegen ausschließlich bei den am Projekt beteiligten wissenschaftlichen Institutionen. Sven Buth und Jens Kalke haben in den letzten 3 Jahren Förderungen für wissenschaftliche glücksspielbezogene Forschungsprojekte vom Bundesministerium für Gesundheit, dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, mehreren Bundesländern und staatlichen Lottoanbietern erhalten. Gerhard Meyer und Moritz Rosenkranz haben in den letzten 3 Jahren außer der Projektförderung für den Glücksspielsurvey keine weiteren finanziellen Zuwendungen für glücksspielbezogene Forschungsprojekte empfangen.