Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Echtzeit-Erkennung und Intervention bei Alkoholcravings: Nutzung von Wearable-Technologie und Machine Learning zur Rückfallprävention bei Personen mit problematischem Alkoholkonsum
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Menschen mit einem Alkoholproblem haben gerade am Anfang ihre Abstinenz oft ein starkes Verlangen nach Alkohol. Dieses intensive Verlangen nennt man auch Craving. Cravings können dazu führen, dass Betroffene wieder anfangen zu trinken. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, wann Cravings entstehen und wie man sie früh erkennt, um schnell etwas dagegen tun zu können. In unserer Studie wollten wir herausfinden, ob man Cravings mit Hilfe von Wearables, also zum Beispiel einer Smartwatch oder einem Fitnessarmband, vorhersagen kann und ob eine App dabei hilft, sie zu überstehen. Die Ergebnisse stellen wir in unserem Vortrag vor. Das Ziel der Studie ist es, eine Art Frühwarnsystem zu entwickeln, um Menschen dabei zu helfen, abstinent zu bleiben.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Auf dem Weg in ein abstinentes Leben stellen Alkoholcravings eine wesentliche Herausforderung für Betroffene dar und gelten als ein zentraler Prädiktor für Rückfälle. Cravings werden bislang überwiegend retrospektiv oder unter Laborbedingungen erfasst und unterliegen damit Verzerrungen hinsichtlich des tatsächlichen Geschehens und Erlebens im Alltag. Digitale Ansätze zur alltagsnahen Erfassung und frühzeitigen Erkennung von Cravings gewinnen an Bedeutung. Aktuelle Arbeiten zeigen zudem, dass Machine-Learning-Verfahren auf Basis von Wearable-Daten psychophysiologische Zustände identifizieren können. Vor diesem Hintergrund zielt die vorliegende Studie darauf ab, Zusammenhänge zwischen kontinuierlich erfassten physiologischen Daten und subjektiv erlebtem Alkoholcraving zu untersuchen und die Grundlage für ein prädiktives System zur Echtzeit-Erkennung von Cravings zu schaffen.
Methoden
Die Rekrutierung der Proband:innen erfolgte über Kanäle der digitalen Selbsthilfeplattform „Ohne Alkohol mit Nathalie“ (OAMN) sowie über psychiatrische Kliniken und Suchtberatungsstellen. Die Datenerhebung erfolgte über die OAMN App, eine Anwendung der Plattform. Zu Studienbeginn wurden das Alkoholkonsumverhalten mittels des Screeninginstruments „Alcohol Use Disorders Identification Test" (AUDIT) erfasst; zusätzlich wurden soziodemografische Daten erhoben. Für jeden Teilnehmenden wurden über einen Zeitraum von vier Wochen kontinuierlich Vitalparameter erfasst. Die Teilnehmenden wurden instruiert, auftretende Cravings in der App zu dokumentieren. Dabei wurde ein Timer gestartet, und es wurden verschiedene Strategien zur Bewältigung angeboten. Nach Ablauf des Timers wurden die Intensität des Verlangens sowie Kontextmerkmale erhoben. Nach Abschluss der individuellen Erhebungsphase wurde die Verbindung zum Wearable automatisch beendet.
Ergebnisse
Die viermonatige Datenerhebungsphase endete Mitte April 2026 (n = 1.154). Die Datenanalyse läuft derzeit und erste Ergebnisse werden im Rahmen des Deutschen Suchtkongresses 2026 präsentiert.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die Studie leistet einen Beitrag zum Verständnis der Entstehung und des Verlaufs von Cravings unter naturalistischen Bedingungen und ordnet die Ergebnisse in die bestehende Literatur ein. Die Ergebnisse sollen zukünftig genutzt werden, um Rückfällen im Alltag durch frühzeitiges Erkennen physiologischer Muster und den Einsatz digitaler Interventionen vorzubeugen und Menschen bei der Bewältigung von Alkoholcravings direkt zu unterstützen.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre die folgenden wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden: Nathalie Stüben ist Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der Nathalie Stüben GmbH. Die Nathalie Stüben GmbH ver- und betreibt sämtliche Angebote von „Ohne Alkohol mit Nathalie“. Rosa Muscheidt ist Mitarbeiterin der Nathalie Stüben GmbH.
Prof. Dr. Sebastian Bayerl und Prof. Dr. Michael Soyka erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.
Erklärung zur Finanzierung: Das Projekt wird gefördert durch die Oberberg Stiftung Matthias Gottschaldt, Förderzusage vom 28.8.2025.