Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Blended Counseling in der niedrigschwelligen Suchthilfe zwischen Potenzialen und Barrieren: Ergebnisse einer qualitativen Befragung von Klient*innen.
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
1. Die Nutzung digitaler Beratungsangebote ist ein wichtiges Thema, weil einige Betroffene aufgrund struktureller Barrieren ausgeschlossen werden und dadurch schwerer Zugang zu Hilfe haben.
2. In dieser Befragung wollte ich herausfinden, welche Faktoren die Nutzung digitaler Beratungsangebote in der Suchthilfe fördern oder erschweren.
3. Dafür führte ich Interviews mit Menschen durch, die Angebote der Suchthilfe nutzen
4. Die Ergebnisse zeigen, dass die Nutzung digitaler Beratung vor allem von den Lebensumständen, den digitalen Fähigkeiten und der aktuellen Situation der Betroffenen abhängt häufig durch strukturelle Barrieren erschwert wird.
5. Diese Ergebnisse können helfen, digitale Beratungsangebote so zu gestalten, dass sie besser zu den Bedürfnissen der Betroffenen passen und häufiger genutzt werden.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Erst in den vergangenen Jahren hat die Digitalisierung in der Suchthilfe deutlich an Dynamik gewonnen und zur Entwicklung sowie Integration neuer Beratungsansätze, wie Blended Counseling, in den Beratungsalltag geführt (Hörmann, Tschopp & Wenzel, 2023, S. 14ff.). Digitale Beratungsangebote werden als Möglichkeit verstanden, den Zugang zur Suchthilfe niedrigschwellig und lebensweltorientiert zu gestalten (ebd.). Vor dem Hintergrund fortschreitender Digitalisierungsprozesse stellt sich daher die Frage, welche Faktoren die Inanspruchnahme digitaler Beratungsformate und Blended Counseling beeinflussen.
Methoden
Im Rahmen einer Masterarbeit wurde eine qualitative Studie durchgeführt. Hierzu wurden zwölf problemzentrierte Interviews mit Klient*innen der Suchthilfe erhoben. Zur Gewährleistung eines gemeinsamen Verständnisses wurde den Befragten exemplarisch die digitale Beratungsplattform DigiSucht vorgestellt. Die Auswertung der Daten erfolgte anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen, dass die Inanspruchnahme digitaler und Blended Counseling Beratungsangebote eng mit den Zugangsvoraussetzungen der Klient*innen verknüpft ist. Zwar verfügen die meisten Befragten über grundlegende technische Endgeräte, jedoch stellen instabile Internetverbindungen, begrenztes Datenvolumen sowie Defekte, Verlust oder Diebstahl von Geräten relevante Einschränkungen dar. Darüber hinaus wird deutlich, dass digitale Beratungsformate in der niedrigschwelligen Suchthilfe bislang überwiegend situativ zur Terminabstimmung oder als Ergänzung zu Face-to-Face-Kontakten genutzt werden, während eine systematische Integration im Sinne von Blended Counseling nur eingeschränkt erfolgt.
Als zentrale Vorteile digitaler Formate benennen die Befragten insbesondere zeitliche und räumliche Flexibilität sowie einen niedrigschwelligen Zugang, insbesondere in Krisen- und Dringlichkeitssituationen. Die Inanspruchnahme wird dabei insbesondere durch bestehende Beziehungen zu Fachkräften, eine niedrigschwellige Vermittlung und Bekanntmachung der Angebote sowie einer flexible Ausgestaltung von Blended Counseling begünstigt.
Diskussion und Schlussfolgerung
Blended Counseling bietet Potenziale zur Erweiterung niedrigschwelliger Suchthilfe, setzt jedoch eine stärkere Lebensweltorientierung voraus, um bestehende Zugangsbarrieren abzubauen und der Reproduktion sozialer Ungleichheiten entgegenzuwirken.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.