Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Echtzeit-fMRT-Neurofeedback zur Beeinflussung der Cue-Reaktivität bei Alkoholabhängigkeit: Herausforderungen und Erkenntnisse aus einer randomisiert-kontrollierten Studie
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Alkoholabhängigkeit ist ein wichtiges Problem, weil viele Betroffene trotz bestehender Behandlungen Rückfälle erleben und neue Therapieansätze benötigt werden.
In dieser Studie wollten wir herausfinden, ob ein Gehirntraining im MRT Menschen mit Alkoholabhängigkeit helfen kann, besser mit Suchtreizen umzugehen.
Dafür untersuchten wir 65 Patient*innen, die an mehreren Trainingssitzungen mit Rückmeldungen über ihre Gehirnaktivität teilnahmen.
Wir fanden heraus, dass die getesteten Trainingsmethoden nicht die erhofften Veränderungen im Gehirn bewirken konnten.
Diese Ergebnisse können helfen, zukünftige Gehirntrainings gezielter und wirksamer zu entwickeln.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
In einer einfach verblindeten randomisiert-kontrollierten Studie untersuchten wir die Wirksamkeit von drei Sitzungen Echtzeit-fMRT-Neurofeedback, die über einen Zeitraum von zwei Wochen bei N = 65 Patient*innen mit Alkoholgebrauchsstörung durchgeführt wurden. Die Intervention zielte auf die Modulation der ventral-striatalen Cue-Reaktivität auf alkoholbezogene Reize sowie auf die Stärkung präfrontaler Kontrollmechanismen im rechten inferioren frontalen Gyrus ab.
Methoden
Das Studiendesign umfasste drei experimentelle Gruppen, die entweder angewiesen wurden, ein Signal des ventralen Striatums herunterzuregulieren, den rechten inferioren frontalen Gyrus hochzuregulieren oder die negative funktionelle Konnektivität zwischen beiden Strukturen zu verstärken. In zwei aktiven Kontrollgruppen sollten die Teilnehmenden entweder den primären auditorischen Kortex hoch- oder herunterregulieren.
Ergebnisse
Wir fanden keinen Effekt der ventral-striatalen Herunterregulation oder des Konnektivitätsfeedbacks. Zudem ging eine reduzierte striatale Aktivierung in der Gruppe mit Hochregulation des rechten inferioren frontalen Gyrus gleichzeitig mit einer geringeren Aktivierung der Zielstruktur einher, was darauf hindeutet, dass unsere intendierten Modulationsansätze nicht wirksam waren.
Als mögliche Ursachen für dieses Ergebnis identifizierten wir die Verwendung kontinuierlicher Feedbackpräsentation, die Regulationsziel und Belohnungsverarbeitung im ventralen Striatum potenziell vermischen könnte, kontraintuitive Regulationsrichtungen, fehlende explizite Strategievermittlung und Transparenz hinsichtlich des adressierten Prozesses sowie generell die Herausforderung, genügend geeignete Teilnehmende für eine ausreichend gepowerte Studie mit komplexem Design zu rekrutieren
Diskussion und Schlussfolgerung
Diese Erkenntnisse verdeutlichen die komplexen Herausforderungen von Echtzeit-fMRT-Neurofeedback-Interventionen zur Behandlung von Substanzgebrauchsstörungen und können Hinweise für die Entwicklung wirksamerer zukünftiger Ansätze liefern.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.
Erklärung zur Finanzierung: Die Studie wurde durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 der Europäischen Union gefördert (668863-SyBil-AA).