Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Cannabisprävention aus Jugendsicht: Was Jugendliche wirklich wollen

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Veronika Möller (Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung), Nell Hillie (Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Die Prävention von Cannabiskonsum bei Jugendlichen stellt eine zentrale gesundheitsfördernde Aufgabe dar. Dabei kommt es nicht nur auf den Inhalt sondern auch die Art und Weise der Kommunikation an. In neun Fokusgruppen haben Jugendliche über ihre Erfahrungen und Wünsche zum Thema Cannabisprävention gesprochen. Diese soll vor allem glaubwürdig und auf Augenhöhe sein. Belehrenden oder Angst machenden Botschaften sollten hingegen vermieden werden. Cannabisprävention soll an den Lebenswelten der Jugendlichen ausgerichtet werden und diese aktiv einbeziehen.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Die Prävention von Cannabiskonsum bei Jugendlichen stellt eine zentrale gesundheitsfördernde Aufgabe dar. Dabei zeigt sich, dass die Wirksamkeit gesundheitsbezogener Maßnahmen nicht allein von der inhaltlichen Richtigkeit der vermittelten Informationen abhängt, sondern wesentlich von ihrer Zielgruppensensibilität, Glaubwürdigkeit und kommunikativen Anschlussfähigkeit. Für eine zielgruppengerechte Weiterentwicklung ist es daher wichtig, die Perspektiven Jugendlicher auf bestehende Maßnahmen sowie ihre Wünsche an zukünftige Kommunikationsformen und Präventionsangebote zu berücksichtigen.

Methoden
Im Rahmen einer qualitativen Studie wurden neun Fokusgruppen mit cannabiskonsumierenden und cannabis-nicht-konsumierenden Jugendlichen durchgeführt, um ihre Erfahrungen mit Cannabisprävention, wahrgenommene Kommunikationsformen sowie Erwartungen an zukünftige Präventionsarbeit zu erheben. Die Gruppen wurden leitfadengestützt moderiert und anschließend inhaltsanalytisch ausgewertet.

Ergebnisse
Die Jugendlichen berichteten von sehr heterogenen Erfahrungen mit bisherigen Präventionsangeboten. Als besonders wirksam wurden Formate beschrieben, die als glaubwürdig, lebensweltbezogen und dialogorientiert wahrgenommen wurden. Demgegenüber wurden moralisierende oder angstinduzierende Kommunikationsformen überwiegend als distanziert, wenig anschlussfähig und teilweise als kontraproduktiv bewertet. Als zentrale Anforderungen an zukünftige Präventionsarbeit nannten die Teilnehmenden eine Kommunikation auf Augenhöhe, die Möglichkeit zum offenen Austausch sowie eine stärkere Orientierung an konkreten Lebenssituationen und Entscheidungsprozessen. Dabei sollten Präventionsmaßnahmen methodisch vielfältig gestaltet sein und interaktive Elemente enthalten.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass jugendgerechte Cannabisprävention stärker an den Kommunikationspräferenzen und Lebenswelten junger Menschen ausgerichtet werden sollte. Präventionsarbeit erscheint dann besonders anschlussfähig, wenn sie informativ, dialogisch und nicht stigmatisierend gestaltet ist und Jugendliche aktiv einbezieht. Für die Weiterentwicklung präventiver Strategien ergeben sich damit wichtige Implikationen hinsichtlich Partizipation, Glaubwürdigkeit und Zielgruppenorientierung.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.



ERKLÄRUNG ZUR FINANZIERUNG: Das Projekt wurde voll gefördert vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Möller, V., & Hillie, N. (2026). Cannabisprävention aus Jugendsicht: Was Jugendliche wirklich wollen. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2861