Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Online-Shoppingstörung: Von Störungsmechanismen zu möglichen Interventionen – Ansätze für die Praxis
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Problematisches Online-Shopping wird durch bestimmte psychologische Mechanismen aufrechterhalten, zum Beispiel durch automatische Reaktionen auf Reize oder durch erlernte Gewohnheiten. Neue Studien zeigen, dass Trainings, die genau an diesen Mechanismen ansetzen, helfen könnten. Vorgestellt wird ein computergestütztes Training, das das Belohnungserleben beim Online-Shopping verringern soll. Aktuell wird untersucht, ob ein solches Trainingsmodul die Tendenz zu riskantem oder pathologischem Online-Shopping reduzieren kann und damit eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Therapieansätzen sein könnte.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Das I-PACE Modell beschreibt die Entstehung und Aufrechterhaltung von Internetnutzungsstörungen wie z.B. der Online-Shoppingstörung und identifiziert die Interaktion spezifischer psychologischer Prozesse wie Cue-Reaktivität, Annäherungs- und Vermeidungstendenzen sowie habitueller belohnungsbezogener Verhaltenstendenzen als zentrale aufrechterhaltende Faktoren. Aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe, dass Interventionen, die gezielt an diesen Störungsmechanismen ansetzen, auch bei der Online-Shoppingstörung vielversprechend sein können. Ein möglicher geeigneter Ansatz ist ein computergestütztes Cognitive Bias Modification (CBM)-Training. Ziel dieses Beitrags ist es, das Rationale für ein modifiziertes CBM-Trainingsmodul anhand bisheriger Forschungsdaten herzuleiten und eine aktuell laufende experimentelle Proof-of-Concept-Studie vorzustellen.
Methoden
Es werden der Forschungsstand zur Anwendung von CBM-Trainings bei Suchterkrankungen sowie die aktuell laufende Proof-of-Concept-Studie der zweiten Förderperiode der DFG-geförderten Forschungsgruppe FOR2974 (Projektnummer: 411232260) vorgestellt. Aktuell erfolgt die Datenerhebung der Proof-of-Concept-Studie. Es werden hierfür Personen mit mindestens riskantem Online-Shopping-Verhalten (N=128) randomisiert entweder einem CBM-Training oder einem erweiterten CBM-Training mit zusätzlicher Devaluation zugewiesen. Beide Trainingsmodule werden in einem Pretest-Posttest-Design miteinander verglichen. Endpunkte sind die Veränderungen der Cue-Reaktivität, der Annäherungs- und Vermeidungstendenzen sowie die Entwicklung habituellen Verhaltens, die mit experimentellen Paradigmen gemessen werden.
Ergebnisse
Aus der Literatur geht hervor, dass CBM-Trainings bei Alkoholabhängigkeit und Computerspielstörung bereits erfolgreich angewendet wurden. Außerdem zeigt sich in der Literatur, dass die Mechanismen, die beim CBM-Training adressiert werden, für die Online-Shoppingstörung relevant sind. Die Datenerhebung für die Proof-of-Concept-Studie hat im April 2025 begonnen.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die klinischen Implikationen und die Vorteile der Anwendung eines CBM-Trainings bei Online-Shoppingstörung, das bisherige etablierte Behandlungsansätze ergänzen könnte, werden diskutiert.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.