Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Unbeabsichtigte Nebenwirkungen sinnvoller präventiver Botschaften: Forderung von Alkoholverzicht bei schwangeren Frauen

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Alexandra Puhm (Gesundheit Österreich), Alexandra Puhm (Gesundheit Österreich)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Weil man nicht genau weiß, ab welcher Menge Alkohol in der Schwangerschaft gefährlich ist, empfehlen Fachleute: Schwangere sollen ganz auf Alkohol verzichten.


Die Empfehlung „Kein Alkohol in der Schwangerschaft“ ist grundsätzlich sinnvoll, kann aber schwierige Folgen haben. Manche Frauen bekommen Angst, wenn sie aus Versehen kleine Mengen Alkohol zu sich genommen haben. Andere fühlen sich verurteilt oder beschämt, wenn sie ihr Verhalten nicht vollständig ändern können. Außerdem kann es passieren, dass die Botschaften zu stark vereinfacht werden. Dann fühlen sich Frauen nicht ernst genommen oder haben das Gefühl, dass wichtige Informationen fehlen. Das kann das Vertrauen zwischen ihnen und dem medizinischen Personal schwächen.


 

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Das Bewusstsein für mögliche gesundheitliche Folgen einer pränatalen Exposition gegenüber geringen Alkoholmengen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Vor dem Hintergrund fehlender sicherer Schwellenwerte wird im Sinne des precautionary principle ein vollständiger Verzicht auf Alkohol während der Schwangerschaft empfohlen.

Methoden
Die Darstellung basiert auf qualitativen Interviews mit 32 schwangeren Frauen in Wien zu ihren Erfahrungen in der Schwangerenvorsorge im Zusammenhang mit Alkohol- und Tabakkonsum. In diesen Gesprächen wurden wiederholt unerwünschte Wirkungen präventiver Botschaften thematisiert. Empirische Befunde werden durch gezielte Literaturrecherchen ergänzt.

Ergebnisse
Die Empfehlung, während der Schwangerschaft vollständig auf Alkohol zu verzichten, ist präventiv sinnvoll, kann jedoch in der jeweiligen konkreten Umsetzung problematische Effekte nach sich ziehen. Dazu zählen ausgeprägte Verunsicherung und Angst bei unbeabsichtigtem Konsum geringer Mengen, etwa über Speisen. Zudem können moralische Zuschreibungen und Stigmatisierung entstehen, wenn schwangere Frauen ihr Konsumverhalten bzw. das Rauchen nicht vollständig einstellen können oder wollen. Darüber hinaus können stark vereinfachte Botschaften die offene Kommunikation zwischen Schwangeren und Gesundheitsfachpersonen beeinträchtigen und das Vertrauensverhältnis belasten, wenn der Anschein entsteht, dass eine komplexe oder unzureichende Evidenzlage verkürzt oder verzerrt dargestellt wird.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Empfehlung zur vollständigen Alkoholabstinenz in der Schwangerschaft ist aus präventiver Sicht zentral, gleichzeitig treten unbeabsichtigte „Nebenwirkungen“ auf. Ein differenzierte Risikokommunikation ist erforderlich, um unerwünschte psychosoziale Folgen zu vermeiden.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
[Bitte Nichtzutreffendes löschen bzw.ergänzen]



Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Puhm, A., & Puhm, A. (2026). Unbeabsichtigte Nebenwirkungen sinnvoller präventiver Botschaften: Forderung von Alkoholverzicht bei schwangeren Frauen. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2858