Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Das Hepatitis-C Testprojekt der Aidshilfe Köln e.V.

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Ayleen Berg (Aidshilfe Köln e.V.)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

1. Das Problem in einem einfachen Satz: Tests auf Hepatitis-C sind wichtig, weil viele Menschen nicht wissen, dass sie Hepatitis-C haben. Sie können unabsichtlich andere Menschen anstecken. Wer lange krank bleibt, braucht teure medizinische Hilfe. Deswegen betrifft es uns alle.
2. Ziel der Studie: In diesem Projekt wollten wir herausfinden, ob wir Menschen mit Hepatitis-C finden und behandeln können, wenn wir direkt zu ihnen gehen.
3. Methode stark vereinfachen: Dafür sprachen wir Menschen an die Drogen nehmen. Wir boten ihnen kostenlose HIV und Hepatitis-C Tests an. Dazu eine Begleitung zum Arzt/Ärztin.
4. Wichtigstes Ergebnis: Wir fanden heraus, dass viele Person Hepatitis-C und keine Krankenversicherung hatten.
5. Bedeutung / Nutzen: Die Ergebnisse können helfen, Drogenkonsumierende dabei zu unterstützen gesünder zu werden.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Die vorläufigen DRUCK-Surv-Ergebnisse des Robert-Koch-Instituts belegen eine weiterhin hohe Prävalenz von HIV, Hepatitis-B und -C unter Menschen, die Drogen injizieren. Obdachlosigkeit und Crack-Konsum sind in der Zielgruppe gestiegen. Der Zugang zu adäquater Versorgung bleibt insuffizient: Hepatitis-C wird besonders selten behandelt, bestehende Kontaktpunkte wie Substitutionsbehandlung oder Inhaftierung werden nicht ausreichend genutzt. Diskriminierungserfahrungen im medizinischen System und Wissenslücken zu Prävention und Therapie erschweren den Zugang zusätzlich [1].

Methoden
Zwei Sozialarbeitende der Aidshilfe Köln sind mobil an bekannten Szeneorten im öffentlichen Raum sowie in kooperierenden Suchthilfeeinrichtungen tätig. Sie bieten HIV- und HCV-Schnelltests, Kurzberatungen zu Safer Use und Harm Reduction sowie die Ausgabe von sterilem Konsummaterial an. Bei Bedarf erfolgt eine Weitervermittlung an eine kooperierende Clearingstelle. Bei reaktiven Ergebnissen wird eine direkte Begleitung zu Ärzt:innen angeboten, um den Einstieg in eine Behandlung unmittelbar zu ermöglichen.

Ergebnisse
Von September 2025 bis März 2026 wurden 146 Personen angesprochen und 88 getestet (Testquote: 60 %). Es wurden 17 reaktive HCV-Testergebnisse (Prävalenz: 19,3 %) und ein reaktives HIV-Testergebnis (1,1 %) festgestellt. Besonders auffällig: 25 der 88 getesteten Personen verfügten über keine Krankenversicherung. Die medizinische Anbindung nach reaktivem Testergebnis erwies sich als zentrale Herausforderung, u.a. bedingt durch fehlende Krankenversicherung, veränderte Konsummuster sowie Obdachlosigkeit. Ein weiterer Teil der erreichten Personen konnte aufgrund persistierender Antikörper nach bereits abgeschlossener HCV-Behandlung mit dem Antikörper-Schnelltest nicht sinnvoll gescreent werden. Als ergänzendes diagnostisches Instrument werden daher ab Mai 2026 Trockenbluttests (Dried Blood Spots) erprobt.

Diskussion und Schlussfolgerung
Das Projekt zeigt, dass aufsuchendes Testen vulnerabler Zielgruppen möglich und notwendig ist. Es werden Menschen erreicht, die vom regulären Gesundheitssystem strukturell ausgeschlossen bleiben. Der hohe Anteil Unversicherter und die Häufung sozialer Problemlagen unterstreichen die Dringlichkeit aufsuchender Angebote. Testen allein reicht jedoch nicht: Die Behandlungsanbindung scheitert häufig an Barrieren, die ein Testprojekt nicht allein überwinden kann. Nötig sind niedrigschwellige Behandlungsangebote, belastbare Kooperationen mit dem Gesundheitssystem und eine stärkere Nutzung bereits bestehender Kontaktpunkte, wie Substitutionsbehandlungen.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich erkläre, dass während der letzten 3 Jahre die folgenden wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden: Förderung des HCV Testprojektes in Form von Sponsoring durch AbbVie und Gilead.



Erklärung zur Finanzierung:



GILEAD Sciences GmbH



Fraunhoferstraße 17



82152 Martinsried b. München







Nummer der Förderung: PO-Nummer: 7000271621



Übernahme der Personal- und Sachkosten durch Sponsoring



AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG



Mainzer Straße 81



65189 Wiesbaden



Übernahme der Personal- und Sachkosten durch Sponsoring

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Berg, A. (2026). Das Hepatitis-C Testprojekt der Aidshilfe Köln e.V . Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2856