Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Behandlungsempfehlungen zu Angehörigen in den S-3 Leitlinien alkoholbezogene Störungen
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Angehörigenarbeit bei alkoholbezogenen Störungen ist ein wichtiges Themenfeld, da alkoholbezogene Störungen zu hohen Belastungen im sozialen Umfeld führen können.
In dieser Übersichtsarbeit wollten wir herausfinden, wie wirksam Interventionen für Angehörige sind.
Dafür geben wir einen Literaturüberblick.
Wir fanden heraus, dass Interventionen für Angehörige deren Belastung bedeutsam reduzieren und Abhängigkeitsverläufe günstig beeinflusst werden können.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Angehörige von Menschen mit alkoholbezogenen Störungen weisen gehäuft stressbedingte Einschränkungen und erhöhte Depressionsraten auf. Eine besondere Risikogruppe für die Entwicklung von psychosozialen Beeinträchtigungen stellen Kinder aus alkoholbelasteten Familien dar. Während Angehörige bislang nur punktuell in den S3-Leitlinien Alkoholbezogene Störungen Erwähnung fanden, wurde in der Überarbeitung ein eigenständiges Kapitel angehörigenbezogenen Interventionen gewidmet.
Methoden
Für die S3-Leitlinie Alkoholbezogene Störungen erfolgte eine aktualisierte Literaturrecherche zur Wirksamkeit angehörigenbasierter Interventionen auf Basis der Literaturübersicht “Evidenz und Implementierung Familienbasierter Interventionen bei Abhängigkeitserkrankungen EVIFA” sowie eine Sichtung anderer Leitlinien zur Behandlung substanzbezogener und verwandter Störungen. Eligible Einzelstudien und Übersichtsarbeiten wurden differenziert nach Interventionen für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien sowie für erwachsene Angehörige einbezogen, wobei letztere unterschieden wurden in Studien zur Einbeziehung von Angehörigen in die Suchtbehandlung und Studien, die ausschließlich Angehörige adressierten.
Ergebnisse
Strukturierte Interventionen für Angehörige reduzieren deren Belastungen, ihr Einbezug in die Suchtbehandlung kann die Prognose bei Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen signfikant verbessern. Insgesamt wurden sechs Empfehlungen formuliert, die von Elterntrainings für Eltern mit alkoholbezogenen Störungen über Interventionsprogramme für Kinder/Jugendliche, Interventionen für erwachsene Angehörige behandelter und unbehandelter Personen mit Alkoholkonsumstörungen bis hin zur Empfehlung von Angeboten der Suchtselbsthilfe reichen. Vor dem Hintergrund der z.T. heterogenen Datenlage und der unzureichenden Übertragbarkeit strukturierter evaluierter Programme auf die deutsche Versorgungslandschaft wurden die Empfehlungen durchgängig als Klinische Konsenspunkte formuliert.
Diskussion und Schlussfolgerung
Interventionsangebote für Angehörige von Menschen mit alkoholbezogenen Störungen können zu einer signifikanten Reduktion von Belastung und zur Förderung von Resilienz bei Kindern und Jugendlichen aus suchtbelasteten Familien beitragen. Forschungsdesiderata werden benannt.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.