Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Wirksamkeit eines Curriculums zur Reduktion stigmatisierender Einstellungen in Bezug auf Alkoholkonsumstörungen bei Medizinstudierenden
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Stigmatisierende Einstellungen in Gesundheitsberufen sind ein wichtiges Thema, da negative Erfahrungen in der Gesundheitsversorgung eine wichtige Barriere für Betroffene sein können, sich rechtzeitig Hilfe zu suchen.
In dieser kontrollierten Studie prüfen wir die Wirksamkeit eines Curriculums zur Reduktion stigmatisierender Einstellungen bei Medizinstudierenden.
Dafür verglichen wir den Einfluss eines Routinekurses zu Psychiatrie und der Integration eines 120-minütigen Curriculums im Rahmen des Kurses auf stigmatisierende Einstellungen.
Wir fanden heraus, dass ein 120-minütiges Curriculum zu einem bedeutsamen Rückgang stigmatisierender Einstellungen führt und von den Studierenden positiv angenommen wurde.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Alkoholkonsumstörungen gelten im Vergleich zu anderen psychischen Erkrankungen besonders stark stigmatisiert. Auch Ärztinnen und Ärzte sowie bereits Medizinstudierende zeigen teils stigmatisierende Einstellungen, obwohl sie eine zentrale Rolle bei der Früherkennung und Versorgung einnehmen. Entstigmatisierende Maßnahmen im Medizinstudium sind daher essenziell.
Methoden
Die Wirksamkeit eines partizipativ entwickelten Curriculums zur Stigmareduktion wurde bizentrisch an den Standorten Lübeck und Leipzig in einem sequenziellen, kontrollierten Studiendesign evaluiert: Die Kontrollgruppe (N=420) erhielt im Wintersemester 2022/23 die bestehende Standardlehre (Treatment as usual, TAU), während die Interventionsgruppe (N=385) im Wintersemester 2024/25 das neu entwickelte Curriculum absolvierte. Beide Gruppen durchliefen identische Erhebungszeitpunkte (Baseline, 6-Monats-Follow-up). Das Curriculum wurde zusätzlich von den teilnehmenden Medizinstudierenden evaluiert (Post-Befragung).
Ergebnisse
In der Interventionsbedingung (N=385) konnte im Gegensatz zur TAU-Bedingung (N=420) ein signifikanter Rückgang an stigmatisierenden Einstellungsmustern zum Follow-up festgestellt werden. Die Gruppenunterschiede waren bei moderaten Follow-up-Raten sowohl in der Analyse der Responder als auch in der Intention to Treat-Analyse stabil. Die Intervention wurde von den Wiedererreichten in der Interventionsbedingung mehrheitlich positiv bewertet. Nach einem ausgeprägten Rückgang unmittelbar nach der Intervention schwächten sich die Effekte zum Follow-up ab, blieben jedoch verglichen mit der Baseline-Erhebung bedeutsam.
Diskussion und Schlussfolgerung
Konsistent mit internationalen Befunden konnte mittels eines 120 Minuten umfassenden partizipativ entwickelten Curriculums stigmatisierende Einstellungsmuster von Medizinstudierenden gegenüber Menschen mit Alkoholkonsumstörungen abgebaut werden. Die Befunde legen für zukünftige Interventionen die Ergänzung durch Boostersitzungen nahe. Die ökonomische Durchführbarkeit weist auf das Potential des Curriculums zur Entstigmatisierung alkoholbezogener Störungen in der Gesundheitsversorgung nahe.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.