Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Abstinenz in Bewegung - Alters-, Perioden- und Kohortentrends der 30-Tage-Alkoholabstinenz im Epidemiologischen Suchtsurvey (ESA, 2000–2024)
Hauptsächlicher Artikelinhalt
Copyright (c) 2026 Deutscher Suchtkongress

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International.
Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Alkoholabstinenz ist ein wichtiges Thema, weil jeder Alkoholkonsum der Gesundheit schadet, aber nur wenige Erwachsene selbst für kurze Zeiträume ganz auf Alkohol verzichten. In dieser Analyse wollten wir herausfinden, wie häufig Menschen in Deutschland in den letzten 30 Tagen keinen Alkohol trinken und wie sich dies über die Zeit entwickelt. Dafür analysierten wir Befragungsdaten von Erwachsenen aus den Jahren 2000 bis 2024. Wir fanden heraus, dass der Anteil der Menschen ohne Alkoholkonsum in den letzten 30 Tagen deutlich gestiegen ist. Dabei zeigen sich Gruppen, in denen sich wesentliche Veränderungen der Abstinenzraten zeigen. Diese Ergebnisse können helfen, gezielte Präventionsangebote für verschiedene Bevölkerungsgruppen zu entwickeln.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Abstinenzverhalten unterliegt dynamischen zeitlichen Veränderungen und wird durch individuelle sowie gesellschaftliche Faktoren über die Lebensspanne hinweg beeinflusst [1][2]. Während Trends des Alkoholkonsums in Deutschland gut dokumentiert sind [3–7], wurde kurzfristige Alkoholabstinenz als sensitiver Indikator aktuellen Konsumverhaltens bislang nur selten untersucht [8], obwohl bereits nach 30 Tagen messbare gesundheitliche Verbesserungen auftreten können [9][10]. Ziel der Studie ist die Analyse der Prävalenz der 30-Tage-Alkoholabstinenz sowie die Untersuchung von Alters-, Perioden- und Kohorteneffekten.
Methoden
Analysiert wurde die 30-Tage-Abstinenz (ja/nein) in der 18–64-jährigen Bevölkerung auf Basis des Epidemiologischen Suchtsurveys 2000–2024 (n = 75.983; 9 Erhebungswellen). Zur Modellierung nichtlinearer Alters- und Periodeneffekte sowie ihrer Interaktion wurde ein generalisiertes additives Modell im Rahmen einer Alters-Perioden-Kohorten-Analyse eingesetzt. Zusätzlich wurden Geschlecht, Bildung, Erhebungsmodus, aktueller Tabakkonsum und Cannabiskonsum (12 Monate) berücksichtigt. Sensitivitätsanalysen prüften die Robustheit der Ergebnisse hinsichtlich Gewichtung und alternativer Operationalisierung (12-Monats-Abstinenz).
Ergebnisse
Der Anteil der 30-Tage-Abstinenten stieg von 13 % (2000) auf 28 % (2024). Es zeigten sich signifikante nichtlineare Alters- und Periodeneffekte sowie deren Interaktion. Die Abstinenzwahrscheinlichkeit war im mittleren Erwachsenenalter am höchsten und nahm insbesondere zwischen 2000 und den frühen 2010er Jahren deutlich zu, bevor sie sich auf höherem Niveau stabilisierte. Die Alters-Perioden-Interaktion weist darauf hin, dass insbesondere jüngere Altersgruppen von zeitlichen Veränderungen betroffen sind und sich Altersunterschiede im Zeitverlauf angleichen. Frauen weisen höhere Abstinenzwahrscheinlichkeiten auf, während höhere Bildung, aktueller Tabakkonsum und Cannabiskonsum mit geringerer Abstinenz assoziiert sind. Die Ergebnisse waren in Sensitivitätsanalysen robust.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die 30-Tage-Abstinenz ist kontinuierlich gestiegen, zeigt jedoch Unterschiede nach Alter und Geschlecht. Dies spricht für einen kombinierten Einfluss individueller Faktoren sowie aktueller sozialer und struktureller Rahmenbedingungen. Insgesamt unterstreichen die Befunde die Relevanz differenzierter, zielgruppenspezifischer Präventionsstrategien.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.