Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Stimulus-spezifische und generelle Inhibitionskontrolle bei Computerspielstörung und problematischer Pornographienutzung

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Kjell Büsche (Center for Behavioral Addiction Research (CeBAR), Universitätsklinikum Essen, Universität Duisburg-Essen, Essen), Lukas Mallon (Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, LWL-Universitätsklinikum), Martin Diers (Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, LWL-Universitätsklinikum), Oliver T. Wolf (Kognitive Psychologie, Institut für Kognitive Neurowissenschaften, Fakultät für Psychologie, Ruhr-Universität Bochum), Matthias Brand (Allgemeine Psychologie: Kognition, Fakultät für Informatik, Universität Duisburg-Essen), Stephanie Antons (Allgemeine Psychologie, Universität Siegen)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Die suchtartige Nutzung von Videospielen oder Pornographie ist ein wichtiges Problem, weil Menschen dadurch in Ihrem Leben eingeschränkt werden können.


In dieser Studie wollten wir herausfinden, ob Menschen, die regelmäßig Videospiele spielen oder Pornos schauen, schlechter darin sind, impulsive Handlungen zu unterdrücken.


Dafür untersuchten wir, wie gut Menschen in deren Leben Videospiele und Pornos unterschiedlich wichtig sind, in Aufgaben waren, in denen impulsive Handlungen unterdrückt werden mussten.


Wir fanden heraus, dass Menschen, die Videospiele oder Pornos suchtartig nutzen, impulsive Handlungen dann schlechter unterdrücken konnten, wenn die Handlung mit Videospielen oder Pornos zu tun hatten.


Diese Ergebnisse können helfen, suchtartige Internetnutzung besser zu verstehen.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Inhibitionskontrolle, die Fähigkeit unerwünschtes, impulsives Verhalten zu unterdrücken, ist ein zentraler Bestandteil aktueller theoretischer Modelle zur Entwicklung und Aufrechterhaltung von Suchterkrankungen. Auch im Kontext von suchtartiger Internetnutzung, etwa bei der Computerspielstörung oder der problematischen Pornographienutzung, wird die Rolle reduzierter Inhibitionskontrolle diskutiert. Empirische Untersuchungen dazu liefern oft inkonsistente Ergebnisse. Eine mögliche Erklärung dafür könnte die Unterscheidung zwischen genereller und stimulus-spezifischer Inhibitionskontrolle sein. In dieser Studie soll daher geprüft werden, inwiefern sich stimulus-spezifische und generelle Inhibitionskontrolle zwischen Personen mit unterschiedlichen Ausprägungen von Gamingverhalten und Pornographiekonsum unterscheiden.

Methoden
Die Daten wurden im Rahmen von Teilprojekt 4 der DFG-geförderten Forschungsgruppe FOR2974 erhoben. Anhand eines diagnostischen Interviews wurden 88 männliche Probanden (Alter: M=26.90, SD=7.10, Range: 18-50) in Gruppen mit unproblematischem, riskantem oder störungswertigem Gamingverhalten oder Pornographiekonsum eingeteilt. Probanden absolvierten eine Go/No-Go-Task mit distalen, suchtrelevanten Bildern sowie eine Stop-Signal-Task ohne suchtrelevante Reize zur Erhebung der stimulus-spezifischen und generellen Inhibitionskontrolle.

Ergebnisse
Es fand sich kein Zusammenhang zwischen den Leistungen in der Stop-Signal-Task und der Go/No-Go-Task, auch nicht unter Berücksichtigung der Symptomschwere. Eine multiple Kovarianzanalyse mit Impulsivität als Kovariate fand Unterschiede in der stimulus-spezifischen Inhibitionskontrolle zwischen den erhobenen Gruppen. Unabhängig vom Verhalten machten Probanden mit pathologischer Nutzung mehr Inhibitionsfehler als Probanden mit unproblematischer Nutzung. Zudem wurden in der Gruppe der Probanden, bei denen Pornographiekonsum im Vordergrund stand, mehr Fehler gemacht, als in der Gruppe der Probanden, bei denen das Gamingverhalten im Fokus war. Es fanden sich keine Gruppenunterschiede in der generellen Inhibitionskontrolle.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse deuten auf eine Reduktion der stimulus-spezifischen Inhibitionskontrolle mit zunehmender Symptomatik einer suchtartigen Internetnutzung hin. Außerdem scheint die stimulus-spezifische Inhibitionskontrolle gegenüber pornographiebezogenen Reizen reduziert zu sein, auch wenn diese keine explizit sexuellen Inhalte beinhalten. Die generelle Inhibitionskontrolle stand nicht im Zusammenhang mit der Symptomatik der Computerspielstörung oder der problematischen Pornographienutzung, was die Relevanz der Unterscheidung zwischen genereller, und stimulus-spezifischer Inhibitionskontrolle betont.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.







Die Arbeit der Autor:innen an diesem Vortrag erfolgte im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe zu affektiven und kognitiven Mechanismen spezifischer Internetnutzungsstörungen (FOR2974, 411232260).

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Büsche, K., Mallon, L., Diers, M., Wolf, O. T., Brand, M., & Antons, S. (2026). Stimulus-spezifische und generelle Inhibitionskontrolle bei Computerspielstörung und problematischer Pornographienutzung. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2846