Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Symptom einer De-Normalisierung oder Zufallsprodukt: Alkoholabstinenz, Motive für Abstinenz und alkoholpolitische Einstellungen im Zeitverlauf in Österreich
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
In Österreich trinken junge Menschen zunehmend weniger Alkohol. Der Anteil der Abstinenten hat sich in den letzten 10 Jahren von etwa 19 % auf rund 38 % verdoppelt. Gründe dafür sind unter anderem mehr Gesundheitsbewusstsein, Religion, negative Erfahrungen und die Angst vor Abhängigkeit. Dieser Trend zeigt sich bei Männern und Frauen gleichermaßen. Obwohl sich die Einstellungen zu Alkohol nur leicht verändert, wird Alkohol insgesamt kritischer gesehen. Der Rückgang passiert ohne neue gesetzliche Maßnahmen und deutet auf eine teilweise „De-Normalisierung“ von Alkohol hin, was für Prävention und Politik wichtig ist.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Der rückläufige Alkoholkonsum in vielen westlichen Staaten wird zunehmend als Indiz einer breiteren De-Normalisierung von Alkoholkonsum, speziell bei jüngeren Menschen interpretiert. Auch in Österreich ist der Rückgang des Alkoholkonsums in der Gesamtbevölkerung ist zu einem großen Teil bedingt durch ein gemäßigteres Konsumverhalten von jungen Erwachsenen, ohne dass bislang alkoholpolitische Rahmenbedingungen geändert wurden. Der Vortrag präsentiert vor diesem Hintergrund aktuelle Zahlen von 2026 sowie Trends aus repräsentativen Bevölkerungsbefragungen aus Österreich und diskutiert damit verbundene Implikationen für alkoholpolitische Maßnahmen.
Methoden
Analyse von Konsummustern, Einstellungen zu Alkohol sowie Motiven für Alkoholabstinenz laut „Repräsentativerhebung zu Substanzkonsum“, der größten regelmäßig durchgeführte Befragung zu suchtspezifischen Verhaltensweisen in Österreich. Auswertungen von Trendverläufen sowie von Unterschieden nach Altersgruppen und soziodemographischen Einflussfaktoren.
Ergebnisse
Alkoholabstinente junge Erwachsene sind in Österreich eine wachsende Gruppe, die sich innerhalb der letzten 10 Jahre verdoppelt hat (von 19 % auf rund 38 %). Diese Entwicklung erfolgt stärker als in anderen Altersgruppen und zeigt sich gleichermaßen für junge Männer als auch für junge Frauen. Religiöse Überzeugungen, bestehende Erkrankungen bzw. Medikamenteneinnahmen, negative Auswirkungen in Zusammenhang mit Alkohol aus der Vergangenheit bzw. die Angst vor Abhängigkeit sind Motive, die zunehmend von jungen Erwachsenen als Grund für ihren Alkoholverzicht genannt werden. Im Vergleich zu den Veränderungen im Konsumverhalten fallen Veränderungen in Bezug auf alkoholpolitische Einstellungen eher gering aus, zeigen aber insgesamt eine Tendenz zu einer kritischeren Einstellung gegenüber Alkohol.
Diskussion und Schlussfolgerung
Der Rückgang des Alkoholkonsums nachvollfolgender Generationen erfolgt zumindest in Österreich ohne eine eindeutige Veränderung der gesetzlichen bzw. regulativen Rahmenbedingungen und spiegelt sich auch nur teilweise in veränderte Einstellungen zu Alkohol wider. Damit ergibt sich das Bild einer teilweisen De-Normalisierung von Alkohol. Implikationen für Prävention und Regulation sollten neben opportunistischen Überlegungen auch grundlegende normativen Aspekte berücksichtigen.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich erkläre, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.