Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Digitale Suchtberatung im Stadt-Land-Vergleich: Ergebnisse einer regionalen Analyse von Nutzungsdaten der DigiSucht-Plattform
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Digitale Suchtberatung macht es besonders leicht, Hilfe bei Fragen zu Sucht und Konsum zu bekommen. In dieser Studie wollten wir herausfinden, wie Menschen die digitale Suchtberatung auf der „DigiSucht“-Plattform in der Stadt und auf dem Land nutzen. Dafür haben wir die Nutzungsdaten der Plattform untersucht. Wir fanden heraus, dass sich in der Stadt etwas mehr Menschen für die Beratung anmeldeten. Auf dem Land nutzten die Menschen allerdings mehr Videoberatungen und Chatnachrichten. Die Ergebnisse zeigen, dass digitale Angebote besonders Menschen auf dem Land unterstützen können. Für sie kann es leichter sein, sich im Internet beraten zu lassen, statt in eine Suchtberatungsstelle zu fahren.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Digitale Suchtberatung schafft anonyme, orts- und zeitungebundene Zugänge zum Suchthilfesystem und kann insbesondere bei stigmatisierten Themen und in strukturschwachen Regionen dazu beitragen, Zugangsbarrieren zu reduzieren. Diese Arbeit untersucht die Nutzung der nationalen digitalen Suchtberatungsplattform „DigiSucht“ im städtischen und ländlichen Raum in Bayern, unter Berücksichtigung individueller und sozialräumlicher Faktoren. Die Plattform erweitert das Angebot der ambulanten Suchtberatung seit Ende 2022 in den digitalen Raum.
Methoden
Bayernspezifische Nutzungsdaten der DigiSucht-Plattform aus dem Analysezeitraum 01.04.2024 bis 31.03.2026 wurden anhand der Postleitzahl auf Kreisebene aggregiert und mit kreisspezifischen Regional- und Bevölkerungsdaten verknüpft. Anschließend wurden Stadt-Land-Unterschiede in den Registrierungszahlen deskriptiv sowie die Nutzung von Chat- und Videoberatungen regressionsanalytisch untersucht. Der städtische und ländliche Raum wurde anhand des Raumgliederungssystems des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung bestimmt. Variablen, für die kontrolliert wurde, umfassten Alter, Geschlecht, Nutzergruppe und Beratungsanliegen der Ratsuchenden auf Individualebene sowie sozioökonomische Deprivation, Versorgungsdichte, Krankheitslast, Geschlechter- und Altersstruktur auf Kreisebene.
Ergebnisse
Von insgesamt n=4.882 Registrierungen stammten 65,6% (n=3.201) aus dem städtischen Raum. Aus allen Landkreisen erfolgte mindestens eine Registrierung. Im städtischen Raum wurden 47,0 und im ländlichen Raum 39,7 Registrierungen pro 100.000 Einwohner/innen verzeichnet. In 55,8% (n=2.728) der Fälle wurde nach der Registrierung Kontakt mit einer Suchtberatungsstelle aufgenommen, wobei sich kein Stadt-Land-Unterschied zeigte (OR=0,013; 95%-KI: 0,89–1,16; p=0,841). Während einer Beratung nahmen Ratsuchende im ländlichen Raum mehr Videoberatungen (b=2,240; 95%-KI: 1,18–3,30; p<0,001) sowie Chatnachrichten (b=1,663; 95%-KI: 0,68–2,65; p=0,001) in Anspruch als Ratsuchende im städtischen Raum.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse zeigen erstmals quantitativ, dass die DigiSucht-Plattform flächendeckend in allen bayerischen Landkreisen genutzt wird. Während sich kein Stadt-Land-Unterschied hinsichtlich der Kontaktaufnahme nach einer Registrierung zeigt, nutzten Ratsuchende im ländlichen Raum verstärkt die Chat- und Videoberatung. Dies unterstützt die Annahme, dass Ratsuchende in ländlichen Regionen mit weniger dichtem Vor-Ort-Angebot besonders von dem niedrigschwelligen digitalen Beratungsangebot und der Möglichkeit zu dessen anonymer Inanspruchnahme profitieren.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.