Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Wer sagt eigentlich, dass ein Glas Wein pro Tag gut fürs Herz ist?
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Viele Menschen haben falsche oder vereinfachte Vorstellungen über Alkohol, zum Beispiel dass ein Glas Wein täglich gesund sei. Solche Mythen können dazu führen, dass Risiken unterschätzt und problematische Trinkgewohnheiten als normal angesehen werden. In einer Befragung von Jugendlichen und Erwachsenen sowie einer Analyse von Medien wurden über 400 unterschiedliche Annahmen zu Alkohol gesammelt. Insgesamt überwiegen kritische Auffassungen gegenüber Alkohol, aber es werden auch positive Effekte in den Medien diskutiert. Diese Informationen können Unsicherheit fördern und Mythen aufrechterhalten. Deshalb ist klare, wissenschaftlich fundierte Kommunikation besonders wichtig.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Einer adäquaten Risikowahrnehmung und erforderlichen alkoholbezogenen Gesundheitskompetenz in der Gesellschaft stehen Fehlannahmen und Falschauffassungen über Wirkungen und Risiken von Alkohol gegenüber. Verbreitete Annahmen wie „ein Glas Wein pro Tag ist gut für das Herz“ oder „ausschließlich täglicher Konsum ist problematisch“ können so zu einer Unterschätzung alkoholassoziierter Risiken führen, indem sie eine kritische Reflexion des eigenen Trinkverhaltens erschweren und die Normalisierung riskanter Konsummuster fördern.
Methoden
Im Rahmen des Projektes MYRA (Mythen und Risiken bezüglich Alkohol) wurde eine explorative Studie durchgeführt, um die in der Bevölkerung vorhandenen, auch wenig sichtbaren, Auffassungen zu den Wirkungen und Risiken des Alkoholkonsums zu erfassen. Die Datenerhebung erfolgte mittels einer quotierten Online-Befragung von Erwachsenen im Alter von 18 bis 70 Jahren (N=800) sowie Minderjährigen im Alter von 16 bis 17 Jahren (N=300). Parallel dazu wurde eine (Online-)Medien-Analyse durchgeführt, die Zeitungen, Social-Media, Foren und Blogs umfasste.
Ergebnisse
Es konnten mehr als 400 Auffassungen und Annahmen hinsichtlich der gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen von Alkohol identifiziert werden. Insgesamt zeigten sich in den Datenquellen nur wenige positive Zuschreibungen zu Alkoholwirkungen, die sich primär auf kardiovaskuläre Vorteile, entspannende und stimmungsaufhellende Effekte sowie soziale und kulturelle Funktionen beziehen. Während gesundheitliche Vorteile des Alkoholkonsums insbesondere in der Bevölkerungsbefragung sehr selten benannt wurden, zeigte sich eine verbreitete, kritische Auseinandersetzung in den (Online-)Medien über positive Effekte geringer bis moderater Alkoholmengen auf die Herzgesundheit.
Diskussion und Schlussfolgerung
Trotz einer insgesamt kritischen Einordnung zeigt sich eine Diskrepanz zwischen individueller Risikowahrnehmung und medialen Narrativen, insbesondere in Bezug auf diskutierte kardiovaskuläre Effekte moderaten Alkoholkonsums. Die mediale Präsenz einzelner bestätigender und relativierender Perspektiven könnte zur Aufrechterhaltung alkoholbezogener Mythen beitragen und eine differenzierte Risikoeinschätzung erschweren. Die Ergebnisse unterstreichen die Relevanz evidenzbasierter Kommunikation, die bestehende Unsicherheiten und widersprüchliche Darstellungen adressiert und wissenschaftliche Evidenz transparent einordnet.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.