Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Achtsamkeit in der Behandlung der Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung: Ergebnisse einer randomisiert-kontrollierten Machbarkeitsstudie

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Sarah Ly Brinkmann (Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie), Annabelle Christ (Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie), Franziska Langrebe (Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie), Johannes Caspar Fendel (Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung ist ein wichtiges Problem, weil sie mit psychischen Belastungen und Einschränkungen im Alltag verbunden ist.
In dieser Studie wollten wir herausfinden, ob ein Achtsamkeitskurs Betroffenen helfen kann.
Dafür untersuchten wir Menschen mit sehr problematischer Nutzung sozialer Netzwerke, die entweder an einem Achtsamkeitskurs teilnahmen oder zunächst nur tägliche kurze Befragungen zu ihrem Verhalten und Befinden ausfüllten.
Wir fanden heraus, dass sich Beschwerden nach dem Kurs verringerten und sich auch Angst, Schlafprobleme und Alltagsbeeinträchtigungen verbesserten.
Diese Ergebnisse können helfen, neue Behandlungsansätze zu entwickeln und zukünftige größere Studien gezielt zu planen.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Die aktuellen AWMF-Leitlinien betonen den Mangel an klinischer Evidenz und den resultierenden Forschungsbedarf zur Behandlung der Sozialen-Netzwerke-Nutzungsstörung (SNNS).

Methoden
In zwei Wellen wurden von April 2025 bis März 2026 insgesamt 38 Teilnehmende (Ø30,3 Jahre, ?79%) mit SNNS randomisiert einem achtwöchigen Achtsamkeitskurs mit täglichen Experience-Sampling-(ES)-Abfragen oder einer Gruppe mit ausschließlich ES und anschließender Teilnahmeoption am Achtsamkeitskurs zugeteilt (Studienregistrierung: DRKS00036699). Messzeitpunkte waren t0 (Baseline, 0 Monate), t1 (nach Intervention, 2 Monate) und t2 (Follow-up, 4 Monate). Primärer Endpunkt war die Reduktion der SNNS-Symptomschwere. Sekundäre Endpunkte umfassten Depressivität, Ängstlichkeit, Einsamkeit, Schlafstörungen und Lebenszufriedenheit. Ergänzend erfolgte ein achtwöchiges ES (1. Welle: Ecological Momentary Assessment; 2. Welle: End-of-the-Day-Diary) mit täglichen Befragungen zu State-Achtsamkeit, Craving, Inhibitionskontrolle, affektivem Wohlbefinden und Stressempfinden. Wöchentlich reichten die Teilnehmenden zudem Screenshots der Nutzungsdauer sozialer Netzwerke ein. Machbarkeitsparameter waren Kursanwesenheit, tägliche Meditationspraxis, Kurszufriedenheit sowie unerwünschte Ereignisse.

Ergebnisse
Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigte sich nach Welle 1 keine signifikante Reduktion von SNNS (SMDS: OR = 0.74, p = 0.54; SMDT: d = -0.51, p = 0.25). Nach Welle 2 war die Reduktion signifikant (IGDT-10: OR = 3.0, p = 0.026; ACSID-11: d = -1.35, p = 0.047). Gepoolt über beide Wellen reduzierten sich Ängstlichkeit (d = -0.77, p = 0.01) und Schlafstörungen (d = -0.51, p = 0.04) sowie funktionale Einschränkungen durch SNNS (d = -1.16, p = 0.002; -6.62 Tage/30 Tage, OR = 1.73, p = 0.01). Letztere wurden teilweise durch Zugewinne in Achtsamkeit und reduzierte automatisierte Nutzung mediiert. Die Kurszufriedenheit war hoch und es fanden sich Dose-Response-Zusammenhänge über Kursanwesenheit und tägliche Meditationspraxis. Zusammenhänge mit der Nutzungsdauer fanden sich nicht.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Studie liefert erste Hinweise auf Machbarkeit, Aktivierung angenommener Wirkmechanismen und Wirksamkeit. Diese Ergebnisse sollen als Grundlage für einen größeren, multizentrischen RCT dienen, in dem die differentielle Aktivierung zentraler Wirkmechanismen im Vergleich zu einer aktiven Kontrollbedingung geprüft wird.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Brinkmann, S. L., Christ, A., Langrebe, F., & Fendel, J. C. (2026). Achtsamkeit in der Behandlung der Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung: Ergebnisse einer randomisiert-kontrollierten Machbarkeitsstudie. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2839