Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Die CaP-Ambulanz in Augsburg: Ein spezialisiertes integriertes Versorgungsmodell für junge Menschen mit Cannabiskonsum und psychotischen Erfahrungen

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Stefan Wenger (Condrobs e.V.), Sophie-Kathrin Greiner (Universität Augsburg), Ayla Fickler (Condrobs e.V.), Verena Schmauss (Universität Augsburg), Lisa Leichtle (Condrobs e.V.), Samer Kasouha (Universität Augsburg), Melissa Pope (Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Universität Augsburg, Bezirkskrankenhaus Augsburg, 86156 Augsburg), Alkomiet Hasan (Universität Augsburg), Karin Wiggenhauser (Condrobs e.V.)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Junge Menschen zeigen ein deutlich erhöhtes Psychoserisiko in Zusammenhang mit Cannabiskonsum. Die 2021 gegründete CaP-Ambulanz bietet eine niedrigschwellige und multiprofessionelle ambulante Versorgung und integriert psychiatrische, psychotherapeutische und sozialarbeiterische Expertise. Die Routinedatenanalyse zeigt, dass 74% der Patient*innen die Kriterien einer Cannabisabhängigkeit erfüllen. 89% berichten beim Follow-up von Konsumreduzierung und einer verbesserten beruflichen Integration. Damit ist die CaP-Ambulanz ein spezialisiertes, integriertes und wirksames ambulantes Versorgungsmodell, das in der aktuellen Weiterentwicklung auch die Altersgruppe der Trasitionsphase (15-21 Jahre) addressiert. Die CaP-Ambulanz ist somit ein übertragbares Modell zur Versorgung cannabisbezogener psychischer Erkrankungen bei jungen Menschen.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Cannabis ist einer der bedeutendsten Risikofaktoren für die Entwicklung einer Psychose. Jugendliche und junge Erwachsene sind überproportional gefährdet: Im Jugendalter (12-19 Jahre) zeigt sich ein 11-fach erhöhtes Psychoserisiko in Zusammenhang mit Cannabiskonsum [1]. In einer Proof-of-Concept-Analyse aus Großbritannien konnte ein spezialisiertes Versorgungskonzept für Menschen mit komorbidem Cannabiskonsum und psychotischem Erleben eine Reduktion des Konsums sowie positive Effekte auf Symptom- und Funktionsniveau zeigen [2]. Dennoch sind solche Strukturen nach wie vor selten.

Methoden
Die CaP-Ambulanz, die 2021 an der Universität Augsburg gemeinsam mit Condrobs gegründet wurde, bietet niedrigschwellige, multiprofessionelle ambulante Versorgung für junge Menschen mit komorbiden Cannabiskonsum und affektiven oder psychotischen Störungen. Das Modell integriert psychiatrische, psychotherapeutische und sozialarbeiterische Expertise mit hybrider Behandlungsgestaltung, proaktivem Fallmanagement und Einbindung der Familie.

Ergebnisse
Bisher wurden mehr als 180 Patientinnen und Patienten behandelt (Durchschnittsalter 25,5 Jahre; 70 % männlich). Eine Routinedatenanalyse der Inanspruchnahme im April 2025 zeigt, dass 74% der cannabiskonsumierenden Patientinnen und Patienten die Kriterien einer Cannabisabhängigkeit erfüllten, 89 % beim Follow-up einen reduzierten Konsum berichteten und sich die berufliche Integration vom Aufnahmezeitpunkt bis zur Erhebung verbesserte. Parallel dazu untersuchte eine Längsschnittstudie (2022–2025) Krankheitsverläufe, Behandlungskontinuität und Empowerment in einer Teilstichprobe von 61 Patientinnen und Patienten

Diskussion und Schlussfolgerung
Die CaP-Ambulanz stellt ein spezialisiertes, integriertes ambulantes Versorgungsmodell dar, das mit klinisch und funktionell bedeutsamen Verbesserungen assoziiert ist. Aktuelle Weiterentwicklungen zielen auf die Altersgruppe der Transitionsphase (15–21 Jahre) ab, darunter eine dedizierte Jugendsprechstunde und eine optimierte Krisendienstanbindung. Das Modell bietet einen übertragbaren Rahmen zur Versorgung cannabisbezogener psychischer Erkrankungen bei jungen Menschen.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Wenger, S., Greiner, S.-K., Fickler, A., Schmauss, V., Leichtle, L., Kasouha, S., … Wiggenhauser, K. (2026). Die CaP-Ambulanz in Augsburg: Ein spezialisiertes integriertes Versorgungsmodell für junge Menschen mit Cannabiskonsum und psychotischen Erfahrungen. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2834