Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Die Perspektive von Fachkräften auf Künstliche Intelligenz in der Suchthilfe: Eine Online-Umfrage zur Nutzung, Einsatzmöglichkeiten und Risiken Hintergrund & Fragestellung
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Künstliche Intelligenz (KI) wird in der Suchthilfe immer wichtiger. Eine Studie mit 149 Fachkräften zeigt: Viele nutzen KI privat, aber weniger im Beruf. Meist werden einfache Programme wie Chatbots oder Übersetzer genutzt. KI hilft vor allem bei Verwaltung und Sprache. Kritisch sehen Fachkräfte KI im direkten Kontakt mit Klient*innen. Sie fürchten weniger Empathie und Probleme beim Datenschutz. Insgesamt sind sie offen für KI, aber vorsichtig. KI soll helfen, nicht ersetzen. Wichtig sind Schulungen, klare Regeln und sichere Daten. Fachkräfte sollten bei der Entwicklung einbezogen werden.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) wird in der Suchthilfe zunehmend als strategisch relevantes Thema wahrgenommen. Während in verschiedenen Projekten bereits Potenziale und Risiken für die Suchthilfe diskutiert werden, fehlte bislang eine systematische quantitative Erhebung zur tatsächlichen Nutzung und zur Bewertung durch die Fachkräfte aus der Praxis.
Methoden
Es wurde eine bundesweite, standardisierte Online-Querschnittsbefragung durchgeführt. An der Untersuchung nahmen 149 Fachkräfte aus der Suchthilfe teil, wobei die Berufsgruppe der Sozialarbeiter*innen mit über 80 % am stärksten vertreten war. Die Datenanalyse erfolgte explorativ-quantitativ mittels deskriptiver Statistik, Chi-Quadrat-Tests und Korrelationsanalysen (Spearman-Rho).
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen, dass die Nutzung von KI im beruflichen Kontext ausbaufähig ist: Während 91,9 % der Befragten KI privat nutzen, liegt die berufliche Nutzungsrate bei 70,7 %. Dabei konzentriert sich der Einsatz primär auf leicht zugängliche Anwendungen wie KI-Chatbots (85,1 %) und Übersetzungsprogramme (62,1 %). Signifikante positive Zusammenhänge bestehen zwischen der beruflichen Nutzung und der Teilnahme an Fortbildungen zu, der Vertrautheit mit sowie einer positiven Grundeinstellung gegenüber KI. Die im Potsdamer Memorandum aufgeführten administrativen Einsatzmöglichkeiten (z. B. Erfassung und Verwaltung von Klient*innenendaten) und die Überwindung von Sprachbarrieren werden von den Fachkräften als am meisten hilfreich bewertet. Deutlich kritischer werden Anwendungen gesehen, die direkt mit Klient*innen interagieren oder in die Beziehungsgestaltung eingreifen. Die größten Risiken sehen die Fachkräfte im Verlust von Empathie und zwischenmenschlichen Beziehungen sowie im Datenschutz.
Diskussion und Schlussfolgerung
Fachkräfte der Suchthilfe stehen dem Einsatz von KI grundsätzlich offen gegenüber, bewerten die Einsatzmöglichkeiten jedoch differenziert und kontextabhängig. KI wird primär als unterstützendes Werkzeug zur Entlastung von Routineaufgaben gesehen und nicht als Ersatz. Für eine erfolgreiche Implementierung in der Praxis scheinen der systematische Ausbau von Qualifizierungsmaßnahmen, die Klärung datenschutzrechtlicher Rahmenbedingungen sowie die Entwicklung klarer ethischer Leitlinien relevant. Zukünftige Entwicklungen sollten proaktiv unter Einbeziehung der Fachkräfte gestaltet werden, um KI bedarfsgerecht als Ergänzung zum bestehenden Hilfesystem zu verankern.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.