Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Das Münsterlinger Modell der Suchtbehandlung - Moderne, restriktionsfreie und zieloffene Arbeit in der Abhängigkeitsbehandlung

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Stefan Zahs (Psychiatrische Dienste Thurgau), Andrea Dobrin-Schippers (Psychiatrische Dienste Thurgau)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Das Behandlungskonzept basiert auf den vier Säulen des Münsterlinger Modells der Suchtbehandlung (MM-S) – Recovery, Restriktionsfreiheit, Zieloffenheit und der integrativen Behandlung komorbider Störungen – und orientiert sich an aktueller wissenschaftlicher Studienlage. In einem offenen, wertschätzenden und gemeinschaftlichen Setting werden individuelle Therapieziele entwickelt, die von Abstinenz bis zu konsumreduzierten oder -kontrollierten Ansätzen reichen. Die qualifizierte Entzugs- und Weiterbehandlung erfolgt systemisch-lösungsorientiert und wird durch psychodynamische und verhaltenstherapeutische Methoden ergänzt. Ein restriktionsfreier Rahmen stärkt Eigenverantwortung, Motivation und authentische Selbsterfahrung und unterstützt die persönliche Entwicklung sowie die nachhaltige psychische Stabilisierung.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung

Eine evidenzbasierte Suchtbehandlung benötigt differenzierte Konzepte, die den vielfältigen Lebensrealitäten Betroffener gerecht werden. Das Münsterlinger Modell verfolgt einen recovery-orientierten, restriktionsfreien und zieloffenen Ansatz, bei dem individuelle Ziele im Zentrum stehen. Zentrale Prinzipien sind eine autonomie­fördernde Haltung, entstigmatisierendes Wording und ein therapeutischer Rahmen mit minimalen Vorgaben. Rückfälle gelten nicht als Scheitern, sondern als Lernchancen im Genesungsprozess. Der Vortrag zeigt die evidenzbasierte Entwicklung des Modells, die Haltung der Behandlungsteams sowie dessen Implementierung in die Organisationsstruktur einer psychiatrischen Klinik und diskutiert praktische Erfahrungen und Herausforderungen.

Methoden
Das Behandlungskonzept basiert auf den vier Säulen des Münsterlinger Modells der Suchtbehandlung (MM-S) – Recovery, Restriktionsfreiheit, Zieloffenheit und der integrativen Behandlung komorbider Störungen – und orientiert sich an aktueller wissenschaftlicher Studienlage. In einem offenen, wertschätzenden und gemeinschaftlichen Setting werden individuelle Therapieziele entwickelt, die von Abstinenz bis zu konsumreduzierten oder -kontrollierten Ansätzen reichen. Die qualifizierte Entzugs- und Weiterbehandlung erfolgt systemisch-lösungsorientiert und wird durch psychodynamische und verhaltenstherapeutische Methoden ergänzt. Ein restriktionsfreier Rahmen stärkt Eigenverantwortung, Motivation und authentische Selbsterfahrung und unterstützt die persönliche Entwicklung sowie die nachhaltige psychische Stabilisierung.

Ergebnisse
Das Modell wird seit mehr als drei Jahren in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen in der Schweiz, in der Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen erfolgreich umgesetzt. Der Bereich umfasst zwei Stationen für Entzugs und Stabilisierungsbehandlungen und einer Station für integrative Psychotherapie bei Abhängigkeit.

Diskussion und Schlussfolgerung
Das Münsterlinger Modell setzt auf einen recovery-orientierten, zieloffenen und restriktionsarmen Ansatz, bei dem die individuellen Ziele der Patient:innen im Zentrum stehen. Es fördert Autonomie, verwendet entstigmatisierende Sprache und verzichtet auf starre Vorgaben. Rückfälle gelten nicht als Scheitern, sondern als Teil des Lern- und Genesungsprozesses. Das Modell basiert auf aktueller Evidenz, wurde in eine bestehende Klinikstruktur integriert und wird seit mehreren Jahren in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen erfolgreich angewendet.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Zahs, S., & Dobrin-Schippers, A. (2026). Das Münsterlinger Modell der Suchtbehandlung - Moderne, restriktionsfreie und zieloffene Arbeit in der Abhängigkeitsbehandlung . Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2821