Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Aufmerksamkeitsbias auf konditionierte Stimuli bei riskantem Shopping- und Gamingverhalten? Eine Eyetracking-Untersuchung

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Tobias A. Thomas (Medizinische Hochschule Hannover), Anna M. Schmid (Universität Bamberg), Matthias Brand (Universität Duisburg-Essen), Sabine Steins-Löber (Universität Bamberg), Astrid Müller (Medizinische Hochschule Hannover)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Bei Süchten kann die Aufmerksamkeit leichter zu Suchtreizen gelangen und auch länger bei ihnen bleiben. Das kann erklären, warum Süchte entstehen und bestehen bleiben. Unsere Arbeit soll zeigen, ob das auch bei problematischem Kaufen und Gaming passiert. Neu ist auch, dass wir untersuchen, ob das bereits bei Bildern passiert, die erst ganz neu gedanklich mit Gaming oder Shopping verbunden werden. Wir werden unsere Ergebnisse vorstellen und diskutieren.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Aufmerksamkeitsverzerrungen tragen zur Entstehung von Suchtverhalten bei. Es liegen bislang jedoch kaum Studien vor, die unter experimentellen Laborbedingen den Prozess des Erwerbs konditionierter Reaktionen und Aufmerksamkeitsverzerrungen untersuchen. Diese Studie untersucht frühe und späte Aufmerksamkeitsverzerrungen in Bezug auf konditionierte Stimuli (CS-shopping/CS-gaming) bei Shopping und Gaming.

Methoden
Teilnehmende mit riskantem oder unproblematischem (Online-)Shopping- (N = 73) bzw. Computerspielverhalten (N = 90) durchliefen die Pavlovsche Trainingsphase eines Pavlovian-to-instrumental-Tranferparadigmas mit Eyetracking. Indikatoren für Aufmerksamkeitsverzerrungen sind Differenzwerte der dwell times (späte Aufmerksamkeitsverzerrung) bzw. first fixation latencies (frühe Aufmerksamkeitsverzerrung) zwischen CS-shopping/CS-gaming und einem neutralen Stimulus. Multilevel-Analysen werden berechnet.

Ergebnisse
Für das Onlineshopping- bzw. Gamingsample wird jeweils getrennt ausgewertet, inwieweit die Symptomschwere von Kaufsucht/Computerspielsucht die Differenzwerte von dwell time bzw. first fixation latencies beeinflusst. Explorativ wird analysiert, ob Personen mit höherer Symptomschwere und stärkerer Cue Reactivity stärker Zuwendungstendenzen auf suchtbezogene Reize zeigen als Personen mit niedriger Symptomschwere/niedriger Cue Reactivity. Angenommen wird, dass sich Zusammenhänge zwischen der Symptomschwere und der Aufmerksamkeitszuwendung bzw. dem Verweilen der Aufmerksamkeit auf suchtbezogene konditionierte Reize im Vergleich zu neutralen Reizen zeigt.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund des aktuellen Forschungsstandes zu Aufmerksamkeitsverzerrungen eingeordnet und die Rolle von Aufmerksamkeitsverzerrungen bezogen auf konditionierte Stimuli wird reflektiert werden. Weiter wird die klinische bzw. praktische Relevanz genauso diskutiert werden wie die Notwendigkeit weiterer Forschung zur Absicherung der Ergebnisse.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.



Erklärung zur Finanzierung: Die Arbeit der Autor:innen erfolgte im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe zu affektiven und kognitiven Mechanismen spezifischer Internetnutzungsstörungen (FOR2974, 411232260).

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Thomas, T. A., Schmid, A. M., Brand, M., Steins-Löber, S., & Müller, A. (2026). Aufmerksamkeitsbias auf konditionierte Stimuli bei riskantem Shopping- und Gamingverhalten? Eine Eyetracking-Untersuchung . Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2807