Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Partizipationsvorstellungen konsumierender junger Erwachsener im System suchtbezogener Hilfen: Implikationen für die Suchtprävention
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Die Studie zeigt: Junge Erwachsene mit Konsumerfahrungen haben selten klare Vorstellungen davon, wie sie sich in suchtbezogene Hilfen einbringen können. Gleichzeitig beteiligen sie sich im Alltag durchaus – etwa durch gegenseitige Unterstützung und Austausch von Erfahrungen. Diese Formen werden jedoch oft nicht als „echte“ Partizipation anerkannt. Für die Praxis bedeutet das: Partizipation entsteht nicht von selbst, sondern hängt davon ab, ob bestehende alltagsnahe Unterstützungspraktiken als legitim anerkannt, sichtbar gemacht und als wirksam erfahrbar werden.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Partizipation gilt im Sinne von Betroffenenbeteiligung und Teilhabe als zentrales Leitbild suchtbezogener Hilfen, bleibt jedoch häufig normativ bestimmt und professionsseitig definiert. Perspektiven junger Erwachsener mit Konsumerfahrungen sind bislang kaum rekonstruiert. Die Studie untersucht, welche Partizipationsvorstellungen sich aus ihrer Sicht im System suchtbezogener Hilfen zeigen und wie diese zu dominanten Deutungen von Hilfe, Wirksamkeit und Legitimität stehen.
Methoden
Die Studie folgt einem qualitativen Forschungsdesign mit Fokusgruppen konsumierender junger Erwachsener aus unterschiedlichen Kontexten. Datenerhebung und -auswertung erfolgten zirkulär im Sinne einer Grounded-Theory-orientierten Logik. Die Analyse wurde als reflexive thematische Analyse durchgeführt und zielt auf die Rekonstruktion subjektiver Bedeutungsstrukturen und geteilter Deutungsmuster.
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen, dass junge Erwachsene nur begrenzt explizite Vorstellungen von Partizipation artikulieren. Partizipation erscheint nicht als selbstverständliche Handlungsperspektive, sondern wird relativiert oder auf andere verschoben.
Zugleich zeigen die Ergebnisse, dass partizipative Praktiken im Alltag vorhanden sind: in Form informeller Peerunterstützung, erfahrungsbasierter Wissensweitergabe und kollektiver Aushandlungsprozesse. Diese bleiben jedoch unsichtbar, da sie weder subjektiv noch im Rahmen dominanter Hilfedefinitionen als legitime Beteiligung anerkannt werden.
Normative Rahmungen von Hilfe stabilisieren diese Unsichtbarkeit. Unterstützungsformen jenseits von Abstinenz oder sichtbarer Verhaltensänderung gelten als weniger relevant. Erfahrungswissen erscheint ambivalent: als notwendige Ressource anerkannt, zugleich aber moralisch reguliert und eingeschränkt aneignungsfähig.
Zudem wird unterstützendes Handeln selten als wirksam interpretiert, da Wirksamkeit primär an sichtbare Veränderungen gebunden bleibt. Diese Prozesse sind in ein Feld von Stigma und regulierter Sagbarkeit eingebettet, das die Artikulation eigener Erfahrungen begrenzt.
Diskussion und Schlussfolgerung
Partizipation und Teilhabe scheitert weniger an fehlender Praxis als an mangelnder Anerkennung, Legitimation und erfahrbarer Wirksamkeit. Informelle und relationale Beteiligungsformen bleiben weitgehend unsichtbar. Eine Weiterentwicklung suchtbezogener Hilfen erfordert daher die Erweiterung bestehender Partizipationsverständnisse und die institutionelle Einbindung erfahrungsbasierter und alltagspraktischer Partizipation.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Isabella Heilig hat die vorliegende Forschung im Rahmen ihrer Masterarbeit durchgeführt. Es bestehen keine Interessenkonflikte; insbesondere wurden keine persönlichen oder wirtschaftlichen Vorteile erzielt.
Die Studie wurde im Rahmen einer Masterarbeit ohne zusätzliche finanzielle Förderung durchgeführt.