Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Determinanten und Risikofaktoren vorzeitiger Behandlungsabbrüche im qualifizierten niedrigschwelligen stationären Drogenentzug
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
- Problem
Vorzeitige Abbrüche im stationären Drogenentzug sind ein wichtiges Problem, weil viele Patient*innen die Behandlung nicht abschließen und dadurch weniger Chancen auf eine anhaltende Verbesserung haben. - Ziel der Studie
In dieser Studie wollten wir herausfinden, welche Faktoren dazu führen, dass Patient*innen ihre Behandlung vorzeitig abbrechen. - Methode
Dafür haben wir vorhandene Behandlungsdaten von Patient*innen ausgewertet. - Wichtigstes Ergebnis
Behandlungsabbrüche finden vor allem in der frühen Phase sowie auch an Wochenenden auftreten. Frauen brechen etwas häufiger ab. Viele Patient*innen haben zusätzliche psychische Erkrankungen. Die Verhaltensänderung scheint oft in mehreren Schritten zu verlaufen. - Bedeutung / Nutzen
Diese Ergebnisse können helfen, die Betreuung gezielt zu verbessern, damit mehr Patient*innen die Behandlung erfolgreich abschließen.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Einleitung
Vorzeitige Behandlungsabbrüche gefährden die Kontinuität und den Erfolg stationärer Entzugsbehandlungen, insbesondere bei opioidabhängigen Patient*innen in niederschwelligen psychiatrischen Settings, da sie sowohl den körperlichen Entzugserfolg als auch die Überleitung in weiterführende Suchthilfesysteme beeinträchtigen können. Für dieses spezielle Setting liegen bisher nur begrenzte Erkenntnisse darüber vor, welche Patient*innenmerkmale, zeitlichen Abläufe und Rahmenbedingungen das Risiko vorzeitiger Behandlungsabbrüche erhöhen und wie sich diese von Patient*innen mit regulärem Abschluss unterscheiden.
Methoden
Material und Methodik
Die vorliegende Untersuchung basiert auf einer retrospektiven Analyse klinischer Krankenhausroutinedaten. Untersucht wurden Patient*innen im Entzug illegaler Substanzen. Analysiert wurden soziodemografische Merkmale (Alter, Geschlecht), behandlungsbezogene Parameter (Aufenthaltsdauer, Wiederaufnahmen) sowie klinische Komorbiditäten. Die Ergebnisse wurden theoretisch interpretiert unter Einbezug des Transaktionalen Stressmodells (Lazarus) sowie des Transtheoretischen Modells der Verhaltensänderung, um Risikokonstellationen und Muster vorzeitiger Abbrüche zu identifizieren. Zudem wurden Harm-Reduction-Perspektiven und der ‚Hard-to-Reach‘-Aspekt berücksichtigt.
Ergebnisse
Ergebnisse
Die Datenanalyse zeigt: Regulär Beendende waren im Durchschnitt älter, was auf eine höhere Reife oder Veränderungsbereitschaft hindeuten kann. Abbrüche konzentrierten sich auf die initiale Behandlungsphase. Ein markantes Ergebnis sind die zeitlichen Muster: Abbrüche häuften sich an Sonntagen (Spontanentscheidungen bei emotionaler Belastung) und Montagen (geplante Entscheidungen). Frauen zeigten eine leicht höhere Abbruchquote, während Männer nach regulärem Abschluss häufiger für erneute Entzüge wiederaufgenommen wurden. Dieses Muster kann im Sinne des Transtheoretischen Modells als Hinweis auf einen zyklischen Genesungsverlauf interpretiert werden.
Diskussion und Schlussfolgerung
Zusammenfassung
Die Ergebnisse verdeutlichen die Vulnerabilität der Patient*innen in der Anfangsphase der Behandlung sowie an den Wochenenden und stellen somit ein kritisches Zeitfenster für die Behandlungsbindung da. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede deuten darauf hin, dass Frauen und Männer möglicherweise mit unterschiedlichen Barrieren im Behandlungskontext konfrontiert sind. Zur Reduktion von Abbruchraten sollten präventive Maßnahmen frühzeitig ansetzen und insbesondere die emotionale Stabilisierung sowie die milieutherapeutische Präsenz an den Wochenenden fokussieren. Eine gendersensible Differenzierung der Angebote sowie die Rahmung von Wiederaufnahmen als Teil eines zyklischen Veränderungsprozesses können die Haltekraft des niederschwelligen Settings nachhaltig stärken.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich erkläre, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.