Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Innovative Therapieansätze bei Alkoholkonsumstörungen (AUD): Neuromodulation, GLP-1-Rezeptoragonisten, klassische Psychedelika und Alcohol-Inhibitionstraining - systematische Evidenzsynthese

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Ulrich Preuss (Asklepios Fachklinikum)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Rückfälligkeit bei Alkoholkonsumstörungen ist trotz evidenzbasierter Therapien noch optimierbar. Neue Behandlungsansätze sind deshalb von großem Interesse. Ergebnisse von neuen Verfahren, die bisher im Rahmen von randomisierten Studien publiziert wurden, werden in dem Beitrag meta-analytisch zusammengefasst und vorgestellt. Deren Mechanismen und mögliche Effektstärken werden präsentiert und deren Rolle für die Versorgung dargestellt.  

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Alkoholkonsumstörungen (AUD) sind chronisch-rezidivierend; bestehende Behandlungen erzielen in der Versorgung häufig nur moderate Effekte. Ziel war eine systematische Evidenzsynthese zu innovativen Add-on-Ansätzen (Neuromodulation, GLP-1-Rezeptoragonisten, klassische Psychedelika und Alcohol-Inhibitionstraining).

Methoden
Systematische Recherchen (RCT-Filter) und systematische Evidenzsynthesen sowie - bei kompatiblen Endpunkten - Random-effects-Metaanalysen mit standardisierten Effektmaßen wurden für (i) rTMS/TBS, (ii) GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1RA) und (iii) klassische serotonerge Psychedelika (Psilocybin/LSD) sowie (iv) Alcohol-Inhibitionstraining bei AUD durchgeführt; Heterogenität (I²) und Sensitivität (Hartung-Knapp) wurden bewertet. Der Evidenzstand wurde bis 17.08.2026 aktualisiert.

Ergebnisse
Die breite rTMS/TBS-Metaanalyse 2026 (19 RCTs; n=942) ergab für Craving SMD=-0,50 (95%-KI -0,88 bis -0,13; I²=82,7 %). Der heterogene Konsumpool (k=5) war ebenfalls signifikant (SMD=-2,32; 95%-KI -4,02 bis -0,61; I²=90,1 %), trennte jedoch HDD, Gesamt- und täglichen Konsum nicht. Für GLP-1RA zeigte der bis Mai 2025 publizierte RCT-Pool (k=3; n=430) kleine, nicht signifikante Effekte auf Gesamtkonsum (SMD=-0,24; 95%-KI -0,70 bis 0,23; I²=54,1 %) und Drinks pro Trinktag (SMD=-0,23; 95%-KI -0,65 bis 0,20; I²=46,0 %); HDD war nur in einer RCT verfügbar und wurde nicht gepoolt. Zwei kleine Semaglutid-RCTs, darunter das separate orale Update 2026, zeigten kurzfristige Signale auf Trinkintensität und einzelne Craving-Endpunkte. Für klassische Psychedelika ergab ein RCT-Pool (k=4) für Abstinenz oder substanzielle Trinkreduktion OR=2,16 (95%-KI 1,26-3,69). Eine explorative Synthese von drei modernen Psilocybin-RCTs ergab g=0,47 (95%-KI 0,03-0,90), war unter Hartung-Knapp jedoch nicht robust (95%-KI -0,53-1,46); Ketamin wurde aufgrund abweichender Pharmakologie nicht einbezogen. Beim Alcohol-Inhibitionstraining zeigte ein domänenübergreifender Selbstberichtspool keinen signifikanten Effekt (SMD=0,092; 95%-KI -0,045-0,228; I²=54 %); ein AUD-spezifischer HDD-, TAC- oder DAC-Pool fehlte. Ein klinischer RCT erhöhte abstinente Tage um 11,48 Prozentpunkte (95%-KI 2,57-20,40), während ein zweiter großer RCT keinen additiven Abstinenzeffekt zeigte.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Befunde sprechen für klinische Signale, sind jedoch durch geringe Studienzahlen, Heterogenität und Verblindungsprobleme limitiert. Keine der 4 Strategien besitzt eine etablierte Routineindikation für AUD. Priorität haben größere multizentrische Studien mit standardisierten Trinkendpunkten und prädefinierten Moderatoren.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
[Bitte Nichtzutreffendes löschen bzw.ergänzen]



Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.



Alternativ:



Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre die folgenden wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden:

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Preuss, U. (2026). Innovative Therapieansätze bei Alkoholkonsumstörungen (AUD): Neuromodulation, GLP-1-Rezeptoragonisten, klassische Psychedelika und Alcohol-Inhibitionstraining - systematische Evidenzsynthese. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2796