Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Der Zusammenhang zwischen Ultra-Processed Food Addiction und gewichtsbezogener Lebensqualität nach Adipositaschirurgie
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Adipositas kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. In dieser Studie untersuchten wir, wie sich das Ausmaß des Übergewichtsverlusts (Excess Weight Loss) nach Adipositaschirurgie auf die gewichtsbezogene Lebensqualität auswirkt und welche Rolle ein suchtartiger Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel (Ultra-Processed Food Addiction, UPFA) dabei spielt. Dazu analysierten wir Gewichtsverlauf, Lebensqualität und Essverhalten vor und nach der Operation. Die Ergebnisse zeigen, dass ein größerer Verlust an Übergewicht im Durchschnitt mit einer besseren Lebensqualität einhergeht, dieser Zusammenhang jedoch bei bereits vor der Operation bestehender UPFA abgeschwächt ist. Dies kann helfen, Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Unterstützungsbedarf frühzeitig zu identifizieren und gezielt zu begleiten – und trägt dazu bei, das komplexe Spektrum der Adipositas und ihrer Einflussfaktoren besser zu verstehen.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Ein suchtartiger Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel (Ultra-Processed Food Addiction, UPFA) kann als ein übergreifendes Merkmal verschiedener Ess- und Gewichtsstörungen eingeordnet werden. Besonders bei Personen mit Adipositas tritt dieses Muster vermehrt auf und steht häufig im Zusammenhang mit ungünstigeren Verläufen (Hauck et al., 2017). Der vorliegende Beitrag befasst sich mit der Frage, wie der nach Adipositaschirurgie erzielte Übergewichtsverlust (Excess Weight Loss, EWL) mit unterschiedlichen Aspekten der gewichtsbezogenen Lebensqualität (LQ) zusammenhängt. Darüber hinaus wird geprüft, inwieweit präoperativ vorhandene UPFA-Symptome die Veränderung der gewichtsbezogenen LQ nach Adipositaschirurgie beeinflussen können.
Methoden
In die Untersuchung wurden 220 Personen einbezogen, die sowohl vor als auch etwa sechs Monate nach Adipositaschirurgie befragt wurden. Zu beiden Zeitpunkten wurden per Selbstbericht der BMI, die gewichtsbezogene Lebensqualität (IWQoL mit den Subskalen „Körperliche Funktionsfähigkeit“, „Selbstwertgefühl“, „Sexualleben“, „Probleme in der Öffentlichkeit“ und „Arbeit“; Mueller et al., 2011) sowie Symptome einer UPFA (YFAS 2.0; Meule et al., 2017) erhoben. Fälle mit fehlenden Daten wurden im Rahmen einer Complete-Case-Analyse ausgeschlossen, sodass die Auswertung auf einer Stichprobe von N = 168 basierte. Hierarchische Regressionsmodelle wurden genutzt, um die postulierten Zusammenhänge zu testen.
Ergebnisse
Ein größerer EWL war mit einer verbesserten gewichtsbezogenen Lebensqualität nach Adipositaschirurgie verbunden. Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang in den Bereichen körperliche Funktionsfähigkeit, Selbstwertgefühl, Probleme in der Öffentlichkeit und Arbeit. Präoperative UPFA-Symptome moderierten zudem die Veränderungen der gewichtsbezogenen LQ nach Adipositaschirurgie in den Subskalen Selbstwertgefühl, Sexualleben und arbeitsbezogene Lebensqualität.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass ein größerer EWL nach Adipositaschirurgie mit stärkeren Verbesserungen der gewichtsbezogenen Lebensqualität verbunden ist. Gleichzeitig weisen die Ergebnisse darauf hin, dass höhere präoperative UPFA-Symptome die Verbesserungen insbesondere in psychosozialen Bereichen der gewichtsbezogenen Lebensqualität abschwächen können. Die klinische Relevanz dieser Befunde wird unter Berücksichtigung der Studienlimitationen diskutiert.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.