Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Selbstkontrolle durch tägliche Atemalkoholmessung für Besserung von Inhibition und Therapieadhärenz bei alkoholabhängigen Patient*innen – Lübeck (STABI-L)

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Sophie Magritz (Universität zu Lübeck), Katharina Barnofski (Universität zu Lübeck), Dr. Julia Reutermann-Kämmerer (Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZiP), Campus Lübeck), Prof. Dr. Klaus Junghanns (Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZiP), Campus Lübeck), Dr. Gallus Bischof (Universität zu Lübeck), Dr. Andreas Sprenger (Universität zu Lübeck), Prof. Dr. Hans-Jürgen Rumpf (Universität zu Lübeck)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Mehr als die Hälfte alkoholabhängiger Menschen wird nach einer stationären Entgiftung rückfällig. Wir untersuchen, ob ein mobiles Atemalkoholmessgerät mit Smartphone-App dabei helfen kann, abstinent zu bleiben und Therapietermine wahrzunehmen.


110 Patient*innen nehmen über sechs Monate teil: Eine Hälfte erhält normale ambulante Betreuung, die andere zusätzlich ein Messgerät für zuhause. Dieses misst dreimal täglich und informiert bei Auffälligkeiten das Behandlungsteam.


Wir prüfen, ob diese digitale Unterstützung die Therapietreue verbessert und Rückfälle reduziert. Dies soll die Nachsorge alkoholahängiger Patient*innen verbessern, indem digitale Hilfsmittel zur therapeutischen Unterstützung eingesetzt werden.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Bei der Behandlung der Alkoholabhängigkeit stellt Abstinenz ein zentrales Behandlungsziel dar. Trotz eines gut ausgebauten Behandlungssystems werden jedoch mehr als die Hälfte der Patient*innen auch nach qualifizierter Entgiftung rückfällig. Therapeutisch ist die rechtzeitige Erkennung von Rückfällen für die Therapieadhärenz insbesondere im ambulanten Kontext von entscheidender

Bedeutung. Digital-technologische Interventionen könnten die Therapie unterstützen, doch die bisherige Evidenz ist begrenzt und an kleinen, nicht repräsentativen Stichproben erhoben.

Diese Studie untersucht, ob ein Atemalkoholmessgerät für die Häuslichkeit in Kombination mit einer Smartphone-App die Therapieadhärenz im ambulanten Kontext steigert. Sekundär wird der Einfluss auf Konsumlatenz, Konsumschwere und psychosoziale Faktoren wie Depressivität, Angst und Craving analysiert.

Methoden
Diese prospektive, randomisiert-kontrollierte, monozentrische Studie untersucht 110 alkoholabhängige Patient*innen nach stationärer Entgiftung über 6 Monate. Die Randomisierung erfolgt im Verhältnis 1:1. Die Kontrollgruppe (n=55) erhält ambulante Standardbehandlung. Die Interventionsgruppe (n=55) nutzt zusätzlich das CE-zertifizierte Atemalkoholmessgerät Dräger Companion Med mit App über 3 Monate, gefolgt von 3 Monaten Nachbeobachtung. Messungen
erfolgen dreimal täglich; Auffälligkeiten lösen Kontaktaufnahme durch Fachpersonal aus. Primärer Endpunkt ist die Therapieadhärenz (wahrgenommene vs. geplante Termine). Sekundäre Endpunkte umfassen Rückfalllatenz, Konsumfrequenz sowie psychosoziale Parameter (QIDS, GAD-7, MHI-5, VAS) zu sechs Messzeitpunkten.

Ergebnisse
Es wird ein positiver Effekt der Intervention auf die Therapieadhärenz sowie eine verlängerte Rückfalllatenz und reduzierte Konsumschwere erwartet. Zudem sollen Moderatorvariablen identifiziert werden, die einen differenzierten Einsatz der Intervention ermöglichen.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Studie schließt eine methodische Versorgungslücke durch Untersuchung an einer repräsentativen klinischen Stichprobe im deutschen Versorgungskontext. Bei nachgewiesenem Nutzen könnte die Intervention niedrigschwellig in die Postakutversorgung alkoholabhängiger Patient*innen integriert werden und die Lücke zwischen Leitlinienempfehlung und Versorgungsrealität verringern.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre die folgenden wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden: Die Atemalkoholmessgeräte (Dräger Companion Med), die zugehörige App und der Clouddienst werden von der Firma Dräger kostenfrei zur Verfügung gestellt und auch im regulären Ambulanzbetrieb eingesetzt. Es erfolgt keine finanzielle Vergütung an die Studienleitung oder Prüfer. Die Geräteüberlassung hat keinen Einfluss auf Studiendesign, Datenerhebung, Auswertung oder Berichterstattung.

Erklärung zur Finanzierung:

Zentrum für Integrative Psychiatrie, Campus Lübeck, eigenmittelfinanziert

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Magritz, S., Barnofski, K., Reutermann-Kämmerer, D. J., Junghanns, P. D. K., Bischof, D. G., Sprenger, D. A., & Rumpf, P. D. H.-J. (2026). Selbstkontrolle durch tägliche Atemalkoholmessung für Besserung von Inhibition und Therapieadhärenz bei alkoholabhängigen Patient*innen – Lübeck (STABI-L). Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2785