Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

S3-Empfehlungen zu Versorgungsstrukturen: Verhältnisorientierte Maßnahmen, Instrumente und Praxisbeispiele zur Tabak- und Nikotinentwöhnung.

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Christa Rustler (Deutsches Netz Rauchfreier Krankenhäuser & Gesundheitseinrichtungen e.V. (DNRfK)), Faten Amawi (Deutsches Netz Rauchfreier Krankenhäuser & Gesundheitseinrichtungen e.V. (DNRfK)), Judith Krauleidies (Deutsches Netz Rauchfreier Krankenhäuser & Gesundheitseinrichtungen e.V. (DNRfK))

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Einleitung & Zielsetzung
Rauchen gefährdet die Gesundheit psychisch erkrankter Menschen massiv. Sie benötigen dieselbe Unterstützung beim Aufhören wie alle anderen Patienten. Dennoch wird Tabakentwöhnung in der Psychiatrie oft vernachlässigt.


Hintergrund & Ergebnisse
Internationale Initiativen fördern rauchfreie Kliniken. Praxisbeispiele aus Deutschland und Irland zeigen: Rauchfreie Konzepte sind auch in der Akutpsychiatrie und Forensik machbar und fördern den Therapieerfolg. Regelmäßige Zertifizierungen und Netzwerke helfen, diese Standards dauerhaft zu sichern.


Fazit
Tabakentwöhnung steigert die Versorgungsqualität. Entscheidend ist, dass Kliniken ihre Strukturen anpassen. Erfolgreiche Modelle belegen, dass eine systemische Umsetzung nachhaltig gelingt.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Rauchen ist die häufigste vermeidbare Todesursache bei Patient:innen mit psychischen Erkrankungen. Im Vergleich zur Normalbevölkerung ist die Rauchprävalenz bei dieser Gruppe überdurchschnittlich hoch. Leitlinien empfehlen, dass rauchende psychiatrische Patientinnen und Patienten im Allgemeinen dieselben Behandlungsstrategien für eine komorbide Tabakabhängigkeit erhalten sollen, wie es für die Normalbevölkerung üblich ist. Zusätzlich werden in der Leitlinie spezifisch verhältnisorientierte Maßnahmen empfohlen, die diese therapeutischen Interventionen unterstützen oder auch erst ermöglichen. Trotz des hohen Risikos der schwerwiegenden Folgeerkrankungen des Rauchens und der Vorteile, auch für den Verlauf der psychischen Erkrankungen, gehört die Tabakentwöhnung bei diesen Patient:innen meist nicht prioritär zu den Behandlungszielen.

Methoden
Auf europäischer Ebene wurde bereits 2006 ein Projekt zur Förderung der Rauchfreiheit in psychiatrischen Einrichtungen zur Unterstützung von Behandlungszielen durchgeführt und Empfehlungen zur Umsetzung erarbeitet. In Deutschland wurden daraus Teilziele für das Modellprojekt zum Aufbau des Netzwerks Rauchfreier Krankenhäuser formuliert, die jedoch nicht wie geplant umgesetzt werden konnten. Die Nichtraucherschutzgesetze im Jahr 2007 unterstützten die Entwicklung, wenn auch unzureichend aufgrund der Ausnahmeregelungen.

Ergebnisse
Fachkrankenhäuser für Patient:innen mit psychischen Erkrankungen nahmen im Deutschen Netz Rauchfreier Krankenhäuser & Gesundheitseinrichtungen zunehmend an der Umsetzung internationaler Standards teil. Zertifizierungsprozesse wurden erfolgreich und wiederholt bis heute durchgeführt. Beispiele aus Deutschland und Irland (auch Akutpsychiatrie und Forensik) zeigen die Machbarkeit und Vorteile für die Behandlung des Rauchens auf der Basis von gesamttherapeutischen Konzepten, z.T. mit komplett rauchfreien Klinikumfeld. Diese positiven Erfahrungen können zur Entwicklung und systematischen Implementierung in weiteren Einrichtungen genutzt werden. Der Austausch in Netzwerken unterstützt dabei die nachhaltige Umsetzung.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Behandlung des Rauchens trägt wesentlich zur Qualität der Versorgung von Patient:innen mit psychischen Komorbiditäten bei und sollte vorrangig wahrgenommen werden. Dabei gilt die Bedeutung der verhältnisbezogenen Veränderungen zur Begünstigung der Behandlung von Tabakabhängigkeit als unstrittig. Best-Practice-Beispiele zeigen, wie die Umsetzung der Empfehlungen strukturiert, systemisch und nachhaltig gelingen kann.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Rustler, C., Amawi, F., & Krauleidies, J. (2026). S3-Empfehlungen zu Versorgungsstrukturen: Verhältnisorientierte Maßnahmen, Instrumente und Praxisbeispiele zur Tabak- und Nikotinentwöhnung. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2350