Deutscher Suchtkongress
Bd. 1 Nr. 1 (2023): Deutscher Suchtkongress
https://doi.org/10.18416/DSK.2023.1100

Postersession 1

Stigmatisierung von Personen mit Abhängigkeitserkrankungen - gibt es einen Zusammenhang mit traumatischen Kindheitserfahrungen und ADHS?

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Franca Burger (Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Goethe-Universität Frankfurt, Frankfurt am Main), Dorothea Stockreiter (Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Goethe-Universität Frankfurt, Frankfurt am Main), Andreas Reif (Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Goethe-Universität Frankfurt, Frankfurt am Main), Mathias Luderer (Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Goethe-Universität Frankfurt, Frankfurt am Main)

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
In Deutschland erfüllen ca. 1,9 Millionen Erwachsene die Kriterien für eine Alkoholabhängigkeit, jedoch haben weniger als 20 % der Betroffenen Kontakt zum suchtspezifischen Hilfesystem. Die Gründe hierfür sind vielfältig, die Stigmatisierung von Abhängigkeitserkrankungen (SUD) spielt dabei eine relevante Rolle. Selbst- und Fremdstigmatisierung beeinflussen das Angebot und die Inanspruchnahme medizinischer Versorgungsleistungen und damit den Genesungsprozess. Die Forschung hierzu steht noch an ihrem Anfang.
Die vorliegende Studie untersucht, ob bestimmte Gruppen von Patient*innen mit SUD stärker von Stigmatisierungserleben betroffen sind. SUD sind häufig mit einer ADHS oder traumatischen Erfahrungen vergesellschaftet. Da diese Erkrankungen mit einer erhöhten Stigmatisierung einhergehen, ergibt sich die Frage, wie und ob die Stigmatisierung von Menschen mit einer SUD und oben genannter Komorbidität zunimmt und welche Auswirkung dies auf den Genesungsprozess hat.


Methoden
Die Untersuchung ist prospektiv als Quer- und Längsschnittstudie konzipiert. Die Teilnehmenden erhielten Fragebögen, die traumatische Erfahrungen (lifetime), traumatische Kindheitserfahrungen, ADHS-Symptome, Fremdstigmatisierungserleben, Craving und Lebensqualität erfassten.


Ergebnisse
Unsere Zwischenauswertung umfasst 51 Patient*innen (ADHS 25,5 %, 61,3 % Kindheitstrauma). Die vorläufigen Daten zeigen keinen signifikanten Unterschied in der wahrgenommenen Stigmatisierung zwischen Patient*innen mit und ohne ADHS. Die Gruppe mit Kindheitstrauma gab im Vergleich zur Gruppe ohne Kindheitstrauma signifikant höheres Stigmatisierungserleben an.


Diskussion und Schlussfolgerung
Die ADHS-Gruppe wies keine erhöhte wahrgenommene Stigmatisierung auf, die Anzahl der Patient*innen ist aktuell aber noch gering. Kindheitstraumata waren bei Patient*innen mit SUD häufig zu finden und mit einem erhöhten Stigmatisierungserleben assoziiert. Aversive Kindheitserfahrungen können die Interpretation von sozialen Interaktionen beeinflussen. Ob dies auch zu erhöhten Konsummengen und schlechteren Behandlungserfolgen führt, wird derzeit noch untersucht. Die Identifizierung bestimmter Gruppen von Patient*innen mit einer SUD, die mehr Stigmatisierung erfahren als andere oder sich selbst stärker stigmatisiert fühlen, ist von großer Bedeutung, um neue und gezielte Behandlungsansätze für diese Gruppe von Patient*innen entwickeln zu können.


Offenlegung von Interessenskonflikten sowie Förderungen
Ich und die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.


Erklärung zur Finanzierung: Goethe-Universität Frankfurt, Universitätsklinikum, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie


Geteilte Erstautorenschaft: Franca Burger, Dorothea Stockreiter

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Burger, F., Stockreiter, D., Reif, A., & Luderer, M. (2023). Stigmatisierung von Personen mit Abhängigkeitserkrankungen - gibt es einen Zusammenhang mit traumatischen Kindheitserfahrungen und ADHS?. Deutscher Suchtkongress, 1(1). https://doi.org/10.18416/DSK.2023.1100