Deutscher Suchtkongress
Bd. 1 Nr. 1 (2023): Deutscher Suchtkongress
https://doi.org/10.18416/DSK.2023.1052

Der Komplexität von Sucht gerecht werden: Potentiale und Herausforderungen qualitativer Interviewstudien im Feld der Suchtforschung (S50)

Nutzbarkeit von qualitativen Interviews zur Verbesserung des Versorgungsangebots der suchtmedizinischen Transplantationssprechstunde

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Annette Binder (Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen), Julia Fenchel (Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen), Immanuel Lang (Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen), Anil Batra (Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen)

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Ein mögliches Ziel qualitativer Versorgungsforschung ist die Verbesserung von bestehenden Versorgungsangeboten. Personen mit äthyltoxischer Leberzirrhose müssen vor Listung zur Transplantation mindestens 6 Monate Abstinenz nachweisen. In Tübingen werden der Nachweis und die suchtmedizinische Betreuung für Betroffene und Angehörige in einer speziellen Sprechstunde durchgeführt. Ziel der zugrundeliegenden Studie war die Verbesserung des psychosozialen Versorgungsangebots dieser Sprechstunde. Fragestellung dieser zusätzlichen methodologischen Analyse ist die retrospektive Prüfung der Gegenstandsangemessenheit mit Fokus auf einzelne Interviewfragen.


Methoden
Es wurden 28 Interviews mit Betroffenen und Angehörigen geführt. Anschließend erfolgte eine inhaltsanalytische Auswertung. In einem zusätzlichen methodologischen Analyseschritt wurde überprüft, welche Interviewfragen für die zugrundeliegende Fragestellung relevante Ergebnisse generiert haben.


Ergebnisse
Es zeigte sich, dass Fragen zur subjektiven Einschätzung der Versorgungssituation und zu Verbesserungswünschen Antworten mit Fokus auf Organisation und Ausstattung der Klinik (z.B. Verfügbarkeit von Parkplätzen, Ausstattung des Wartebereichs, Wartezeit) generierten, während erzählungsgenerierende Fragen zum aktuellen Alltag und zum Umgang mit der Erkrankung sowohl bei Betroffenen als auch bei Angehörigen Antworten generierten, die zur Beantwortung der Forschungsfrage (Fokus auf psychosoziale Bedarfe) geeignet waren und im Rahmen der qualitativen Analyse ein tieferes Verständnis der Bedarfe ermöglichten.


Diskussion und Schlussfolgerung
In unserer Studie wurde deutlich, dass Betroffene eigene Bedarfe und insbesondere Verbesserungsmöglichkeiten in Bezug auf ein Versorgungsangebot nur in begrenztem Maße äußern können. Es zeigte sich, dass aus beschriebenen Alltagsbelastungen in einem Analyseschritt von Forschenden Bedarfe abgeleitet und entsprechende Anpassungen der Versorgungssituation entwickelt werden können.


Offenlegung von Interessenskonflikten sowie Förderungen
Ich und die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.


Erklärung zur Finanzierung: Eigenmittel der Sektion Suchtmedizin und Suchtforschung

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Binder, A., Fenchel, J., Lang, I., & Batra, A. (2023). Nutzbarkeit von qualitativen Interviews zur Verbesserung des Versorgungsangebots der suchtmedizinischen Transplantationssprechstunde. Deutscher Suchtkongress, 1(1). https://doi.org/10.18416/DSK.2023.1052